Hier finden Sie Neuigkeiten und Informationen zum Thema Finanzierung!

 

 

Wir fragen, Venture Capital-Geber antworten

Die Start-up Landschaft aus Investorensicht

 

VC Magazin: Venture Capital-Gesellschaften prüfen um ein Vielfaches mehr Start-ups als sie sich an ihnen beteiligen. Was sind die häufigsten Gründe gegen eine Investitionsentscheidung?

 

Dr. Hubert Birnor,

Managing Partner,

TYM Capital

Ich denke, die Gründe variieren je nach Brauche und Marktsegment - bei uns, die wir in innovative Projekte in der Arzneimittelforschung investieren, in Biotechplattformen oder auch Medizintechnik, ist eines der wichtigsten Kriterien der Patent. Schutz. Sichere IP schützt unser Investment maßgeblich. Dane­ben sind auch andere Überlegungen wichtig. z.B. wie groß ist das Marktvolumen, das Interesse der Branche an einem Produkt, wie ist die Wettbewerbssituation etc. Diese Dinge sind über alle Branche" hinweg wichtige Entscheidungsmerkmale für eine Venture Capital-Beteiligung.

 

„Marktvolumen, Interesse der Branche an einem Produkt oder Wettbewerbssituation sind wichtige Entscheidungsmerkmale für eine Venture Capital-Beteiligung"     

Dr. Hubert Birner

 

Dr. Hendrik Brandis,

Managing Partner,

Earlybird Venture Capital

Das Business Model nicht nachhaltig alleinstehend und nicht disruptiv genug. Die Business-Perspektive ist zu klein. Und feh­lendes Vertrauen in das Team.

 

Claus-Georg Müller,

Vorstandsvorsitzender,

mic AG

Im Verbund der mic AG und ihrer Themen AGs ist vor allem der strategische Fit entscheidend. Wir achten sehr darauf. Dass ein potenzielles Investment eine konkrete Synergie zu unserem Fokus auf den Bereich. IOT (Internet of Things) im Portfolio er­zeugt und den bereits existierenden Beteiligungen einen Mehr­wert bieten kann. Das kann von der Technologie bis zum Vertriebs- und Vermarktungskanal reichen. Oft sind genau diese fehlenden Synergie- und Cross Selling-Potenziale ein Grund, sich gegen ein Investment zu entscheiden.

 

Bernhard Schmid,

Partner,

XAnge Private Equity

Viele Unternehmen haben sicher eine eigene Berechtigung im Wettbewerb, allerdings können sie häufig nicht das für eine Venture Capital-Finanzierung notwendige Wachstumspotenzial vorweisen. Venture Capital kann nur dann profitabel agieren, wenn die Portfoliounternehmen mit sehr hohen Wachstumsraten schnell einen hohen Unternehmenswert erreichen.

 

VC Magazin: Meist wird das Team als wichtigster Faktor eines Start-ups bezeichnet Eine Einschätzung, die Sie teilen und wenn ja, warum?

 

Dr. Hubert Birner,

Managing Partner,

TVM Capital

Ein geniales Team zu haben, das nicht nur forschen kann, son­dern auch managen und dabei noch die Klaviatur des Business Developments und des Marketing beherrscht – klar, das würden wir nehmen! Gerade litt Bereich Life Sciences sind aber in einer frühen Phase eines Projekts andere Skill Sets maßgeblich als In einer späteren Phase. Um den Erfindern, den Forschern und Treibern von Innovation genau diesen Druck zu nehmen, haben wir mit unserem letzten rundes genau hier angesetzt. Durch unsere exklusive Zusammenarbeit mit Chorus, dem externen Entwicklungsteam des großen US-Pharmakonzerns Lilly, können unsere Teams auf die weltweit erfahrensten Ressourcen in der klinischen Forschung und Erprobung zugreifen. Die Daten, die für die erforderlichen klinischen Phasen zu ermitteln sind, halten jeder Überprüfung durch eine Regulierungsbehörde stand und müssen nicht aufwändig aufgrund von Qualitätsproblemen bei der Studienanordnung, nachgebessert werden.

 

Als hochspezialisierte Investoren verfügen wir über Kontakte in die Wissenschaft, können vielversprechende, auch sehr Forschungsprojekte erkennen und mit dem richtigen Team welt­weit verknüpfen. Dieses Team kann die Forschung auf höchstem Standard weiterführen und bis zur einer Phase bringen, die dann das Interesse der großen Pharmakonzerne weckt, die allesamt einen ziemlich großen Appetit auf Innovationen in ihrer Produktpalette haben. Damit schließen wir die Lücke zwischen staatlicher Forschungsfinanzierung und privater, unternehmerischer Frühfinanzierung und helfen jungen forschenden Teams, sich als Unternehmer zu etablieren.

 

Dr. Hendrik Brandis,

Managing Partner,

Earlybird Venture Capital

Ja, diese Einschätzung teile ich. Je besser das Team, desto besser in der Regel auch die Geschäftsidee, auf die das Team setzt, bzw. die es im Laufe der Zeit entwickelt. Ein wirklich gutes Team geht daher meist einher mit einem zumindest über Zeit sehr guten Geschäftskonzept, während ein nicht so gutes Team auch ein ursprünglich sehr gutes Geschäftskonzept zum Scheitern bringen kann.

 

„Je besser das Team, desto besser ist in der Regel auch die Geschäftsidee."

Dr. Hendrik Brandis

„Businessplanning" für Start-ups und ihre zukünftigen Investoren

Wie plant Ihr Euer Business?

Ob Start-ups heute überhaupt noch einen Businessplan brauchen? Das wird in der Gründerszene und auch bei uns im Start-up-Coaching oft diskutiert. Aber "irgendwas" braucht man, denn eine rein mündliche Ansprache hat selten zum Erfolg geführt. Spätestens nach dem tollen Pitch kommt die Frage nach dem „Pitchdeck“ oder auch Businessplan: "Mail mir mal was zu." Was dafür entscheidend ist, ist aber weniger das Dokument als Endprodukt, sondern der Weg dorthin, der ganze Vorgang des "Businessplanning" mit allen Fakten, Annahmen, Überlegungen und Schlussfolgerun­gen. Wie diese am Ende präsentiert werden, ist im Prinzip egal. Aber ohne eine saubere interne (!) Dokumentation überall diese Punkte geht es nicht, und gerade in der Due Diligence werden diese eine besondere Rolle spielen. Übrigens gerade auch für Internet-Start-ups, Kennzahlen sind hier einer der ganz wesentlichen Erfolgstreiber.

Die Dokumentation ist eigentlich nur die Spitze des Eis­bergs: Nur circa 5% des Aufwands fließen da rein, einen Businessplan prägnant und gut verständlich zu formulieren oder ein wirklich ansprechendes Pitchdeck zu entwerfen. Achtung, wenige Worte zu finden ist oft schwerer, als viele zu texten! Das Ergebnis sieht im Idealfall elegant und clean aus, aber dahinter stehen jede Menge Überlegungen und ständiges kritisches Hinterfragen der eigenen Ideen auch gerade im Team! Bei den folgenden fünf Themen fällt häufig auf, wo der Unter­schied zwischen einem rein deskriptiven - und damit eigentlich überflüssigen - Dokument und fundiertem Businessplanning liegt.

Euer Produkt/Eure Dienstleistung:

Der Nutzen aus Kundensicht

Wie funktioniert Euer Angebot, sodass Ihr auf dieser Grundlage ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen könnt? Mit dieser Frage ist nicht nur gemeint, was an Eurem Produkt besser, schneller oder günstiger ist als bei der Konkurrenz, sondern die Relevanz für den Kunden. Oft liest man Sätze wie "unser System ist zweimal so schnell wie herkömmliche Lösungen". Das ist zwar toll, aber ist dies wirklich wichtig für den Kunden? Wird er für diesen Vorteil wirklich zahlen und den Anbieter wechseln? Im "Businessplanning" müsst Ihr analysieren, worin der Kundennutzen im typischen Kontext einer Anwendung liegt und wie er quantitativ zu fassen ist. Dazu muss man - bereits jetzt (!) - auch mal mit potenziellen Kunden reden. Also raus, ran an den Kunden und sauber und ehrlich die Erfahrungen dokumentieren. Vielleicht kommt dabei raus, dass euer potenzieller Kunde mit dem System, das "zweimal schneller ist als herkömmliche Lösungen", seine Produktionskosten senken und die Preise für den Endverbraucher um 25% vergünstigen kann. Das gehört dann in den Businessplan bzw. das Pitchdeck!

Euer Geschäftsmodell: Lohnt sich das wirklich?

Der relevante Kundennutzen ist die Voraussetzung, dass Euer Angebot eine Chance im Markt hat. Aber erst ein gutes Geschäftsmodell macht daraus ein Erfolg versprechendes Unternehmen. Überlegt, wie Ihr eine Wertschöpfungskette aufbauen wollt. Wie und zu welchen Kosten stellt Ihr das Produkt her bzw. entwickelt Eure Dienstleistung? Inwiefern ist Euer Geschäft skalierbar? Was kauft Euer Kunde überhaupt? Ein einzelnes Produkt, eine Lösung oder ein Gesamtpakete als "Betreiberlösung"? All das muss im Vorfeld überlegt werden. Auch hier gilt: Ran an den potenziellen Kunden - und auch das in der Planungsphase. Wer wird bei Euren Kunden die Entscheidung treffen? Heißt für Euch, wie sieht der dazu passende Vertrieb aus? In der Dokumentation steht nur das plausible Endergebnis, in wenigen Sätzen erläutert.

Markt und Vertrieb: Wie groß ist EUER Markt?

Der Markt für Elektromobilität ist zig Milliarden groß und wächst noch weiter. D.h. nur wenige Promille reichen uns, um erfolgreich zu sein. Eigentlich gar nicht schwer, so ein Business zum Erfolg zu bekommen. Leider funktioniert die Welt so herum nicht. Ein Markt gehört vom einzelnen Produkt her geplant. Was soll es kosten, wie viele Stück sind wann absetzbar, wie viele Kunden gibt es überhaupt. Der Rest ist Multiplikation - und notfalls noch der Plausibilitätscheck mit den oben genannten Marktgrößen. In der Phase des Businessplanning ist hier viel Beschäftigung mit Annahmen, Hypothesen, möglichen Akzeptanzraten und dem gesunden Menschenverstand gefragt. Meist kann man sich so sehr gut dem Marktpotenzial für die eigene Lösung nähern. Und dem Kundenpotenzial, d.h. insbesondere der Zahl der möglichen Kunden und dem damit verbundenen Aufwand, den Kunden zu erreichen. Davon wird ein Vertriebsmodell stark getrieben! In einen Pitch oder Plan gehören hier gut aufbereitet die Endergebnisse. Die Fragen zu Annahmen und Grundlagen haben Zeit bis zur Due Diligence. Aber da werden sie kommen - garantiert!

Das Start-up Personal: Wer warum an Bord sein sollte

Lebensläufe mögen etwas Schönes sein, insbesondere wenn sie viele Stationen bei Top-Unis und Top-Arbeitgebern enthalten. Aber für Euer Business kommt es darauf an, die richtigen Leute für genau Euer Business an Bord zu haben. Und auch hier steht in der Planungsphase zunächst wieder die Analyse: Was sollen die Leute eigentlich tun, welche Qualifikationen (womöglich auch welches Alter?) brauchen sie dazu? Erst dann kommt im Team die Frage, welche dieser Kompetenzen das Gründerteam (ehrlich bleiben - im eigenen Interesse!) bereits mitbringt und welche noch an Bord geholt werden müssen. Vielfalt und komplementäre Ergänzungen sind hier oft förderlich! In das Pitchdeck gehört hier nur die kurze Darstellung der relevanten (!) Erfahrungen des Teams und die Transparenz, welche Rollen noch gefüllt werden sollen. Keiner sollte eine Rolle haben, die er oder sie eigentlich nicht will - dafür habt Ihr nicht gegründet, oder?

Die Finanzplanung: Alles noch mal in Zahlen

"80% Umsatzrendite und plötzliche Sprünge am Quartalsübergang? Ich wusste nicht mehr, wofür ich Geld einplanen soll, und der Sprung war plötzlich im Excel drin." Keine guten Antworten, wenn sich ein Investor einmal in der Tiefe für die Planungen interessiert. Die Finanzplanung in der Planungsphase ist eine intensive zahlenmäßige Beschäftigung mit allen Aspekten des Unternehmens. Hier bindet Ihr in Euros zusammen, was die verschiedenen Überlegungen so alles ergeben haben. Wie viele Entwickler, was verdienen die? Wie viele Kunden und wann (!) zahlen wie viel? All das kommt rein, auch hier wichtig, die Überlegungen eher Bottom-up als Top-down machen. Also wirklich fragen: Wann ist welche Messe und was kostet die Teilnahme? Das ist besser als einfach 20% vom Umsatz als Marketingkosten zu planen. Es werden unzählige Iterationsschleifen kommen, bis wirklich alles passt. Ins Pitch Deck oder den Businessplan kommt nur das konsistente und plausible Endergebnis. Und erläutern müsst Ihr nur, was überraschend erscheint. Lesen kann man auch in der Tabelle, dass der Umsatz im Jahr 2018 4 Mio. EUR ist. Erläutert bekommen möchte man, warum der Sprung im November 2016 120% beträgt und danach wieder auf 10% absinkt.

Fazit

Dies sind nur fünf der ca. neun bis zehn Themenbereiche, die eine gute Planung abdeckt. Weitere sind noch Marketing, Personalplanung, eine Realisierungsplanung mit Milestones und eine Betrachtung der Chancen und Risiken. Für alle diese Themen gilt im Prinzip das Gleiche. Darüber hinaus heißt Businessplanning für Fortgeschrittene übrigens noch dass Ihr auch neue oder alternative Szenarien durchspielen könnt und so verschiedene Versionen entstehen. Das bietet sich gerade für junge Unternehmen an, die schon auf Wachstumskurs sind. Mit einem (weiteren) Investor könntet Ihr diesen Kurs vielleicht noch beschleunigen oder neue Wege einschlagen. Aber auch das gelingt ums einfacher, je besser ich die Annahmen dokumentiert habe. Also ran an die Planung!

Dr. Carsten Rudolph

ist Geschäftsführer von BayStartUp. Er sammelte umfangreiche Erfahrung in Industrie, Unternehmensberatung und der nationalen und internationalen Start-up-Szene. Bis 2009 war er Projektleiter der Hightech-Gründerinitiative "unternimm was." der Microsoft Deutschland GmbH, die junge Gründer aus der Hightech-Branche fördert und international unterstützt.

Start-up 2016

VentureCapital Magazin

Mit einer innovativen Idee ein eigenes Unternehmen gründen und zum Erfolg führen

Ideen hui, Finanzierung pfui

Laut KfW-Gründungsmonitor 2015 wagten im vergangenen Jahr rund 915.000 Menschen den Sprung in die unternehmerische Selbstständigkeit.
Das waren etwa 47.000 Gründer mehr als 2014. Die weiteren Aussichten sind indes gemischt. Zwar scheint eine Gründerkultur in Deutschland, doch vor allem die Finanzierung bei Hightech-Start-ups bleibt ein leidiges Thema. Und der gute Arbeitsmarkt erweist sich als ernst zu nehmende Konkurrenz.

 

Vor allem die freiberuflichen Gründungen konnten eine Zunahme verzeichnen und liegen nun anteilig bei etwa 40%. Hier dominieren Unternehmensberatungen, Coaching oder Software-Engineering. Demgegenüber gingen die gewerblichen Neugründungen laut KfW um 14.000 547.000 zurück. Allerdings unterscheiden sich Start-ups durchaus vom allgemeinen Gründungsgeschehen. Start-ups schaffen mehr Arbeitsplätze, sie gelten als innovativer und werden häufiger in Teams gegründet. Unterschiede gibt es auch bei der Finanzierung. So stützen sich laut dem aktuellem Startup-Monitor über 32% der Start-ups auf die Finanzierung durch Beteiligungskapi­tal, bei allgemeinen Gründern sind dies nur 3.6%. Etwas Nachholbedarf gibt es freilich beim Anteil von Frauen bei Start-up­ Gründungen: Dieser lag lediglich bei 10,1%. während die Quote der weiblichen Existenzgründer insgesamt mit 43% deutlich höher ausfällt.

 

Arbeitsmarkt als Konkurrenz

Die niedrigen Arbeitslosenzahlen erweisen sich für Start-up­ Gründungen als einschneidend. Viele qualifizierte Studienab­gänger zieht es eher In die Industrie, die mit guten Verdienst­möglichkeiten lockt. Auch wird die vermeintliche „Klippe“ beim Wechsel von wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen in das klassische „Unternehmertum“ von vielen Forschern und Entwicklern noch immer als zu hoch angesehen. Doch wer schlussendlich trotz Chancen auf eine gut dotierte Festanstel­lung in der Wirtschaft den Sprung In die unternehmerische Selbstständigkeit wagt, tut dies nicht aus der Not, sondern aus Überzeugung. Laut KfW-Gründerreport wurde nur in 30% aller Fälle aus Mangel an Erwerbsalternativen gegründet. Überhaupt machten sich im vergangenen Jahr drei von vier Gründern mit einem neuen Unternehmen selbstständig, während etwa die Übernahme eines bereits vorhandenen Unternehmens im Zuge eitler Nachfolgeregelung nur eine untergeordnete Rolle spielt. Lind wer einmal gründet, tut es gerne wieder. Rund 45% aller Start-up-Gründer haben bereits mehr als ihr aktuelles Start-up gegründet, knapp über 21% haben sogar schon zwei oder mehr Unternehmen, gegründet, so der aktuelle Start-up Monitor. Staat­liche Institutionen wie der High-Tech Gründerfonds oder das Exist-Programm gehen wichtige finanzielle Starthilfen. Inzwischen hat sich eine wirkungsvolle Business Angel-Kultur etabliert, wei­che Gründern neben einer Finanzierung auch wichtiges Manage­ment-Know-how zur Verfügung stellt. Zwar bestätigen gerade bei Letzterem immer noch die Ausnahmen die Regel. Erfreulich ist allerdings der Trend, dass immer mehr Gründer später als Mentoren oder Business Angels zurückkehren, um ihre Erfahrungen und zuweilen finanziellen Möglichkeiten an die nächste Gründergeneration weiterzugeben. Mit messbarem Erfolg, denn Start-ups haben sich auch als Jobmotoren erwiesen. Im Durchschnitt schafft jedes deutsche Start-up über 17 Arbeitsplätze nach rund drei Jahren. „Die Qualität der Start-ups-Gründungen hat stark zugenommen“, fasst Albrecht Deißner,Direktor Beteiligungsfinanzierung bei der KfW, zusammen. „Gerade im High-tech-Bereich gibt es eine positive Entwicklung zu verzeichnen, auch bedingt durch die hohe Professionalität vieler Business-plan-Wettbewerbe in der Republik.“ Auch andere Bereiche ragen heraus, so der weit umfassende Sektor „Software/E-Commerce/IT“. Im jüngst erschienenen Deutschen Startup Monitor (DSM) lassen sich knapp 34% der befragten rund 1.000 Start-ups in diese Kategorie einordnen.

Zum Vergleich: Der Sektor „Bio-,Nano- und Medizintechnologie“ nimmt lediglich 4,2% ein.

 

Start-up Hauptstadt Berlin

Als Leuchtturm auf der deutschen Stark-up?Landkarte strahlt weiterhin Berlin. -Berlin hat eine starke Sogwirkung", bestätigt Deißner, „auch für Ideengeber und Know-how aus

dem Ausland: Und die mediale Berichterstattung tut ihr Übriges. Alex von Frankenberg. Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds (HTGF), ergänzt: Die Bundeshauptstadt ist ohne Zweifel der Gewinner der letzten zehn Jahre. Berlin gilt als schick und ist ein toller Nährboden für Start-ups.“Da wirke sich auch das Fehlen größerer Konzerne in der Bundeshauptstadt nicht negativ aus, wie dies etwa in weiten Teilen
Ostdeutschlands, in Niedersachsen oder Bremen der Fall ist. Dagegen hat sich in Berlin eine kritische Masse entwickelt, die auch unabhängig von größeren volkswirtschaftlichen Schwankungen operieren kann. Mehr noch: Kann denn eine Stadt wie Bremen lukrative Start-up-Gründungen verzeichnen, so ist es meist nur eine Frage der Zeit, bis diese Unternehmen in eine der Metropolen abwandern. HTGF-Geschäftsführer von Frankenberg kritisiert jedoch die verzerrte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit: „Der Hype um Berlin spiegelt nicht die tatsächlichen Verhältnisse wider. Deutsche Gründer sind nicht nur stark Online und IT. Wir haben darüber hinaus eine lebendige Start-up-Kultur In den Segmenten Maschinenbau oder Medizintechnik-- Er sieht neben Berlin vor allem Bayern. Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen weit vorn. „Diese vier Regionen machen gemeinsam rund 75%
des Hightech-Gründungsgeschehens in Deutschland aus", so von Frankenberg. München hat sich schon lange als Standort für Hightech-Gründungen etabliert. So geht es dahin der Stadt und ihrer Umgebung eine Reihe hochwertiger Businessplan-Wettbewerbe, das Wirken des von Bayern Kapital geführten „CIusterfonds Start-up!“ und des Im März dieses Jahres aufgelegten „Bayernkapital lnnovationsfonds" zeigt erste Wirkung. „Aber auch eine Region wie Sachsen ist stark in der Hightech-Szene verankert", sagt Deißner und verweist beispielhaft auf den Cluster „Silicon Saxony“.

 

Herausforderung Internationalisierung

Mit einem Anteil von 333% an ausländischen Mitarbeitern, laut Start up-Monitor, präsentieren sich Berliner Start-ups am interna­tionalsten. Auf dem zweiten Platz folgt München mit einem Anteil von 26.7%. Insgesamt haben 22% aller Mitarbeiter in deutschen Start-ups keine deutsche Staatsbürgerschaft. Allerdings ver­hindert die Bürokratie noch immer eine stärkere. Einbindung ausländischer Fachkräfte in deutsche Start-ups oder einen Zuzug dieser Fachkräfte nach Deutschland. Schon das Personal in deut­schen Verwaltungen und Behörden ist vielerorts aufgrund man­gelnder Sprachkenntnisse nicht auf eine schnelle Bearbeitung entsprechender Fälle vorbereitet. Zu häufig verzögern sich oder scheitern gar wichtige Formalitäten aufgrund von Sprachbarrieren oder komplizierter Anträge. Doch in vielen Firmen ist die Arbeitssprache längst Englisch, zumal sich Start-ups von vornherein an den internationalen Märkten orientieren, nicht zuletzt bei der Suche nach Investoren und strategischen Partnern. Über 60% aller Start-ups, die bislang ausschließlich in Deutschland agieren, planen ein Engagement über die eigenen Ländergrenzen hinweg.

 

Streitthema Finanzierung

Ein Streitthema bleibt die Finanzierung. Einerseits erreichten Venture Capital-Investitionen allein im ersten Halbjahr 2015 ein Volumen von 437 Mio. EUR und setzten ihren aufsteigenden Trend fort. Laut Branchenverband BVK stellt diese Summe das beste Halbjahresergebnis seit 2008 dar, die Investitionen der beiden Halbjahre 2014 wurden damit um rund ein Drittel über­troffen. Das steigende Engagement von ausländischen Investo­ren. Business Angels. Family Offices oder Corporate Ventures befeuert darüber hinaus nachhaltig die Seed- oder Pre-Seed­-Phase. Ab einem Volumen von 20 Mio. EUR, in Segmenten wie der Biotechnologie schnell erreicht, wird es jedoch schwierig. ausreichend einheimisches Wagniskapital einzusammeln. „Im Zweifelsfall müssen Start-ups genau identifizieren, welcher Finanzierungspartner zu Ihrem Unternehmen passt“, lasst Alexander von Frankenberg zusammen und spricht damit auch ausländische Venture Capital-Gesellschaften an. Erfreulich ist, dass die KfW eine der führenden Förderbanken der Welt, wieder als Investor in Venture Capital-Fonds fungiert. „Damit wollen wir auch ein Sig­nal an andere Investoren aussenden“, sagt KfW-Direktor Deißner. Das durch die Bundesregierung kürzlich verab­schiedete „Eckpunktepapier Wagniskapital" könnte ein weiterer Schritt sein, notwendige Verbesserungen in der Finanzierung von Start-ups herbeizuführen. Eine Entscheidung sollte jedoch dringend in diesem Jahr fallen, mahnt der BVK in einer Stellungnahme. Sonst sei der Zug für diese Legislaturperiode abgefahren und Deutschland und die einheimische Beteiligungsbranche verlören den internat­ionalen Anschluss zulasten der Kapitalversorgung kleiner. aber auch mittelständischer Unternehmen.

 

Fazit

In Deutschland wird gegründet, die Gründermentalität ist trotz schwankender Zahlen vorhanden, auch wenn sich manch Betrachter eine stärkere Ausprägung wünscht. Allerdings, noch werden die damit verbundenen Risiken zuweilen höher einge­schätzt als die vorhandenen Chancen. „Unternehmern und ins­besondere Investoren muss man verdeutlichen, dass man mit Start-ups Geld verdienen kann“, schließt Deißner. „Angesichts des niedrigen Zinsumfeldes: Was gibt es Attraktiveres, als in Start-ups zu investieren?“

Aufbruchsstimmung in der Alpenrepublik

Österreich ist dabei, im europäischen Wettbewerb zunehmend innovationsfreundlicher zu werden und sich als attraktiver Gründerstandort ZU etab­lieren. Dass sich Fundraising- und Investitionsklima bessern, dazu trägt auch die Politik bei. Hohe Steuern und restriktive Zuwanderung sind aller­dings noch Nachteile.

 

Tradition trifft Moderne: In der altehrwürdigen Wiener Hofburg trafen sich Ende Mai rund 2.500 Teilnehmer des Pioneers Festivals 2015. Das Festival gab innovativen Technologie-Start-ups eine Bühne - es ging um Zukunft, darum, welche Ideen unsere Welt in den nächsten Jahren auf welche Weise verändern können. „Im letzten Jahr hatten wir die Welt­premiere eines fliegenden Autos, ein voll funktionierender Proto­typ der Firma Aeromobil, erzählt Markus Lang. Investment­manager bei Pioneers Ventures, die schwerpunktmäßig in digi­tale Technologien investiert. Natürlich ging es nicht nur um Ideen und Technologien, sondern auch um Entrepreneurship, Business Angels, Corporates, Wagniskapital und globale Strate­gien.

 

Anfangs noch mit 40 Teilnehmern

Ziel ist, Wien zu einem europäischen Zentrum für Entrepreneur­ship und Zukunftstechnologien zu machen - und zu einem „Hub", einem Knotenpunkt unternehmerischer Verbindungen zwischen Ost- und Westeuropa.

 

Unternehmensneugründungen und Gründungsintensität

 

Jahr

Neugründungen

Veränderung zum Vorjahr in %

1993

14.631

/

1994

14.300

-2,2

1995

14.161

 -1,0

1996

19.843

+ 40,1

1997

21.706

+9,4

1998

19.722

-9.1

1999

21.954

+ 11.3

2000

21762

+8,2

2001

26.035

+9.6

2002

25.828

-0.8

2003

2u.322

+9,7

 2004

29740

+5.0

2005

31.001

+ 4.2

2006

29.109

-6,1

2007

30.304

40.331 -

+4,1

2008

 

+33,1

2009

32.112

- 18,9

2010

37.125

+ 13.5

2011

35.279

- 5.0

2012

35.638

+ 1,0

2013

36.946

+ 3.7

2014

37.20

+0.5

 

Begonnen hatte das Festival vor fünf Jahren noch unter anderem Namen, mit 40 Teilnehmern in einem Büro. Die nunmehr vierte Veranstaltung dieser Reihe ist ein nicht zu übersehendes Indiz, dass sich in Österreichs Gründerlandschaft etwas bewegt: Aufbruchsstimmung. Verschiedene Experten gehen davon aus, dass nunmehr auch die Politik das Thema Start-ups und Gründer ziemlich weit oben auf der Agenda hat. „Wir sehen da viele positive Akzente, es ist beeindru­ckend, was sich in den letzten getan hat, sagt Lang. So habe zum Beispiel das Alternativfinanzierungsgesetz die Bedingun­gen für Crowdinvesting deutlich verbes­sert. Der seit 2014 amtierende Wirtschaftsstaatssekretär Harald Mahrer („Mr. Start?up") rief vor einigen Monaten das „Land der Gründer" aus. Auch Außenminister Sebastian Kurz, der kürzlich mit einer gro­ßen Delegation aus der österreichischen Startup-Community im Silicon Valley war, gilt als Förderer. „Politisch tut sich viel, auch von der Wirtschaftskammer gibt es starke Unterstützung, sagt Martin Steininger, Managing Partner der Venture Capital-Gesellschaft Venionaire.

 

„Kapital für Ideen und Innovationen"

Als Beispiele nennt Steininger Abgabener­leichterungen bei Kapitalerhöhungen und die Einführung der ‚GmbH Light" in der GmbH-Gesetzesnovelle, welche die Kapitalanforderungen gesenkt hat, was Grün­dern die Errichtung einer Kapitalgesell­schaft erleichtert und Business Angels die Investition in innovative, technologienahe Unternehmen vereinfacht. „Auch mit zahlreichen aws-Förder-/Beteiligungs-Programmen verbessern wir die Situation für Gründungen immer mehr, so Steininger. Der von der Förderbank Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) initiierte Gründerfonds beteiligt sich in der Gründungs- und ers­ten Wachstumsphase an Unternehmen mit sehr hohem Wachs­tumspotenzial. Das Programm ‚Kapital für Ideen und Innovatio­nen" spricht junge Unternehmen an, die ein gut skalierbares Ge­schäftsmodell entwickelt haben. Der aws Gründerfonds unter­stützt langfristig mit stillen und offenen Beteiligungen. Aller­dings - und da ist es in Österreich kaum anders als in Deutsch­land und einigen anderen Ländern Europas - hapert es bei Folgefinanzierungen. Im Anschluss an die Seed-Phase wird das Kapi­talangebot knapp. „Wir haben hier nach wie vor das Problem, dass gerade die Start-ups, die die Seed-Phase erfolgreich gemeis­tert haben und nun vor großem Wachstumspotenzial stehen, teilweise in andere Länder abwandern, wie beispielsweise nach Großbritannien oder USA oder auch Deutschland, so Lang.

 

Mehr B-Runden-Kapital gewünscht

Zu ein wenig Linderung trägt u.a. der Early Stage Venture Capital-Fonds Speedinvest (Wien und San Francisco) bei, der in Internet & Mobile-Start-ups investiert. Nach dem Speedinvest 1 mit 10 Mio. EUR wurde 2015 nun der zweite Fonds aufgelegt mit einem Volumen von 58 Mio. EUR (erstes Closing); bis September sollen es beim zweiten Closing ca. 80 Mio. EUR werden. Der Speedinvest 2 ist ein gemeinsamer Fonds mit Pioneers Ventures; man hat die Kräfte gebündelt. Der Fonds leistet - nach einem Einstieg in der Pre-Seed- oder Seed-Phase - auch Folgefinan­zierungen. Geschäftsführer ist Oliver Molle. „Kapitalgeber unse­res zweiten Fonds sind mehr als 100 private Investoren, als ein­ziger institutioneller Investor ist der aws dabei", sagt Molle. 2013 und 2014 waren noch ganz schwache Fundraising-Jahre in Öster­reich, bedingt auch durch mangelnde Erfolge der vorherigen Fonds, eine zu regionale Fokussierung und eine mangelnde inter­nationale Vernetzung, was sich aus Holles Sicht inzwischen deut­lich gebessert hat. ‚Heute gibt es auch mehr Corporate Incubation und mehr Kooperationen zwischen großen Corporates und Start-ups", sagt Molle. Gründer in Österreich denken heute oft globaler als noch vor wenigen Jahren." Einen Beitrag zur aufge­hellten Stimmung am Gründerstandort Österreich haben aus der Sicht von Hohe und anderen Playern auch einige Grün­dungen mit besonderer ‚.Strahlkraft" und hohem Wachstum ge­leistet - wie runtastic, eine Lauf-App, oder shpock. Marktführer im Bereich mobile Marktplätze. „Weit oben auf der Agenda sind die Themen Digitalisierung und Industrie 4.0, die Verknüpfung von Hard- und Software. so Holle.

 

Standortnachteil Steuern und Abgaben

Auch der Venture Capital-Geber Venionaire, der zurzeit einen neuen Fonds raised, zielt schwerpunktmäßig auf die B-Runden und trägt somit dazu bei, dass hier die Finanzierungslücke nicht allzu groß wird. Nachteilig ist allerdings nach wie vor, dass

Österreich ein Hochsteuerland mit hohen Sozialversicherungs­abgaben ist, „was viele Jungunternehmer, die selbst voll in der Firma mitarbeiten wollen, belastet“, wie Venionaire-Manager Steininger betont. „Und durch das restriktive Ausländerbeschäf­tigungsgesetz sind Talente von außerhalb des EU-Raums nur schwer nach Österreich zu bringen. Viele hervorragende Talente aus der ganzen Welt würden nach ihrem Studium gerne hier bleiben, was aber nur schwer möglich ist." Alles in allem aber steht Gründern eine ganze Reihe vorm Unterstützern und Förde­rern zur Seite. Neben dem bereits erwähnten aws Gründerfonds sind dies etwa die Austrian Business Agency (ABA) und das Start-up Center der aws, welches Beratung in Fragen zu einer breiten Palette von Fragen (Steuern, Recht, Personalsuche, Standortwahl etc.) bietet. Die aws hilft zudem, Gründer mit In­vestoren und möglichen Geschäftspartnern zusammenzubrin­gen und andere wertvolle Kontakte zu vermitteln. Hilfreich beim Netzwerken ist neben dem Pioneers Festival z.B. die Veranstal­tungsreihe „Business Angel Day“. Hinzu kommt das landesweite Netzwerk AplusB (Academia plus Business), zu dem mehrere Förderzentren über die Bundesländer verteilt gehören, na, der Hochschulinkubator Cast Gründerzentrum in Innsbruck, Tech2h Inkubator in Linz und das BCCS Business Creation Center in Salzburg. Das österreichische Wirtschaftsministerium hat mit dem ..Leitprogramm für Forschung und Innovation 2013-2018" ein Förderprogramm für bis zu 180 innovationsgetriebene Tech­nologie-Start-ups beschlossen. Die Forschungsförderungsgesell­schaft (FFG) bietet Jungunternehmen eine attraktive Finanzierungs­palette. Zu den Gründungshochburgen zählt zuerst einmal Wien: mit attraktiven Unis, den Büros internationaler Technolo­giekonzerne. Banken, großen Stiftungen und einer lebendigen Business Angels-Szene. Des Weiteren Graz/Steiermark mit der Mon­tanuniversität in Leoben (mit unterschiedlichen Technologie­sparten) und dem Forschungsinstitut Johanneum sowie dem Soft­ware-Park (70 Unternehmen, zwölf Forschungsinstitute). Nicht zu­letzt ist Oberösterreich mit Linz zu nennen (u.a. VOEST Stahlwerke).

 

Fazit

Mit fundierten Netzwerken, einem breiten Spektrum an Förder­programmen auf Bundes- und Landesebene sowie Inkubatoren und Corporates finden Gründer in Österreich eine Vielzahl von Unterstützern. Das Klima hat sich in den letzten Jahren teils deutlich verbessert.

Europa ist an allem schuld

Ei, wie putzig. Rudolf Hunds­torfer „vermisst Konjunktur­impulse aus Europa". Jetzt ist also Europa am Zustand der österreichischen Wirtschaft schuld und an der Rekordzahl von über 395.000 Arbeitslo­sen. Der Sozialminister macht sich's da aber ein bisschen gar einfach. Denn in Wahrheit liegt die Hauptschuld an der Lage der Wirtschaft nicht in Europa, sondern in Osterreich: Bei Hundstorfer selbst und seiner Reformblockade und bei vielen anderen Entschei­dungen der Koalition.

 

Gewiss gibt es vieles an der EU zu kritisieren. Zahlreiche überregulierende und wirtschaftsfeindliche Beschlüsse der letzten 15 Jahre, mit denen die 751 EU-Abgeordneten (aber auch die Richter des EU-Gerichtshofs) ihre eigene Exis­tenzberechtigung nachweisen wollten, waren schwere Fehler. Sie haben populistisch die EU zu einem Konsumenten-, Poli­tical-Correctness- und Ökolo­gie-Amt umzuwandeln ver­sucht. Sie sind ganz vom einstigen grandiosen Ziel eines Binnenmarkts abgekommen. Sie sind damit mitschuldig, dass Europa international für niemanden mehr ein Vor­bild ist.

 

Nur an einem hat die EU mit Sicherheit keine Schuld: Daran, dass Osterreich - das noch 2007 in der EU in vielem ein absoluter Spitzenreiter gewe­sen ist! - in allen EU-internen Vergleichen steil zurückgefal­len ist; dass seine Arbeitslo­senzahlen heute so hoch wie nie seit 1945 sind:. Daran ist einzig und allein Osterreichs Politik der letzten Jahre schuld.

 

Das lässt sich auch nicht mehr mit bloß einer einzigen Maßnahme (oder mit noch mehr Schulden) rückgängig machen. Das geht nur mit der Umsetzung einer langen Liste an Notwendigkeiten. Doch traut kaum noch jemand dieser Koalition die Kraft dazu zu. Freilich auch den Oppositions­parteien nicht.

 

Die Prognose ist pessimis­tisch: Erst wenn etwas Gröbe­res passiert ist, wird etwas passieren. Freilich wird dann die Sanierung noch viel schwieriger und schmerzhafter sein, als wenn man rechtzeitig gehandelt hätte. Das wird etwa mit der Mühsal vergleich­bar sein, durch die in den letz­ten Jahren Irland, Portugal und Spanien gehen mussten. Oder mit dem noch viel härteren Weg, der Griechenland noch bevorsteht.

 

Möglicherweise aber han­deln die Parteien sogar richtig - wenn auch nur in ihrer sub­jektiven Logik. Denn wahr­scheinlich lohnen ihnen die Wähler derzeit eine mutige Sanierungspolitik wirklich nicht. Viele Menschen glauben ja noch immer, dass man mit dem Stimmzettel leistungs­freie Wohlfahrt herbeiwählen kann. Genau diesem Denken entspricht auch das jüngste, noch gar nicht umgesetzte Steuerpaket, das zwar eine Anpassung des Einkommensteuertarifs bringt, die aber zur Gänze durch eine zusätzliche Verschuldung und eine lange Liste wirtschaftsfeindlicher Maßnahmen erkauft wird. Das Land wird dadurch mit Sicher­heit als Standort für die so drin­gend benötigten Investitionen in allen Rankings noch weiter hinunterstürzen und in der Arbeitslosenstatistik hinauf­schnellen. Das ist aber offen­bar noch immer allzu Vielen egal.

 

Aus BK24 vom 11.Juni.2015

 

 

 

 

 

Freie Liquidität für Unternehmen

Mit Hilfe von Sale-and-Lease-back hat die G.M.W. Präzisions GmbH & Co. KG aus Burg die Wende geschafft. Doch das Produkt eignet sich nicht nur in Restrukturierungsfällen. Auch im Rahmen von Wachstumsszenarien oder Expansion greifen immer mehr mittel­ständische Firmen zu dieser alternativen Finanzierungsform. VON HOLGER GARBS

Mit einer Maschine fing alles an, im Jahr 1992, als die G.M.W. Präzisions GmbH & Co. KG von Erich und Norbert Brinkmann ge­gründet wurde - Vater und Sohn. Ge­fertigt wurden hochpräzise Großteile für die Energieerzeugung. Von Beginn an konnte sich das Unternehmen eines stetig wachsenden Kundenstammes erfreuen.

Ausweg aus der Krise

2010 wurde ein Erweiterungsbau mit einem Investitionsvolumen von rund 20 Mio. Euro in Betrieb genommen. Trotz der anhaltenden Finanzkrise und deren Auswirkungen gelang es dem Unternehmen zunächst, die wirt­schaftliche Entwicklung und Liquidi­tätslage stabil zu halten. Als jedoch ein Großkunde aufgrund seiner wirt­schaftlichen Schieflage die Produktion einstellen musste und weitere Aufträge ausblieben, musste G.M.W. Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden. Eine wirksame Lösung in dieser Situation bot die Nord Leasing GmbH in Form ei­ner Sale-and-Lease-back-Finanzierung. „Diese eignet sich besonders gut für Unternehmen, die sich in Phasen der Restrukturierung oder Neuaufstellung befinden", erklärt Thomas Vinnen, Ge­schäftsführer und Gründer der Nord Leasing.,, Das Verfahren erhöht nicht nur kurzfristig den Liquiditätszufluss für das jeweilige Unternehmen, son­dern auch die Eigenkapitalquote und hat somit einen positiven Einfluss auf das Rating", so Vinnen.

Ergänzung zur Bankenfinanzierung

Heute ist Nord Leasing wichtigster Marktplayer für Sale-and-Lease-back­ Verfahren im deutschsprachigen Raum. Gleichwohl gilt diese Finanzie­rungsart gerade gegenüber etablier­ten Mittelständlern zuweilen noch als erklärungsbedürftig. „Natürlich gehört ein Maschinenpark wie im Fall der G.M.W. übergangsweise der Nord Lea­sing", sagt Vinnen und räumt mögliche Vorbehalte auf Unternehmensseite aus:

„De facto bleiben die Maschinen aber immer im Besitz des produzierenden Unternehmens." Auch eine strategische Mitsprache schließt er aus. Rund ein Drittel der Firmen, die das Verfahren in Anspruch nehmen, sind laut Vinnen bestens aufgestellt und wollen kurz­fristig weitere Liquidität generieren, vor allem in Wachstumssituationen oder im Rahmen von Internationalisie­rungen. Ein weiteres Drittel wählt Sale­ and-Lease-back, um einen Rückschlag,

etwa den kurzfristigen Ausfall eines Großkunden, zu verkraften. „Das letz­te Drittel unserer Kunden hat größere Liquiditätsprobleme", erklärt Vinnen. Für die Unternehmen bildet das Pro­duktangebot der Nord Leasing immer eine Ergänzung zur herkömmlichen Bankenfinanzierung. „Es geht nicht darum, zu den bestehenden Finanzie­rungspartnern in Konkurrenz zu tre­ten", so Vinnen. „Im Gegenteil, die Ban­ken freuen sich über frisches Kapital für ihre Bestandskunden." In Zukunft erwartet er einen weiteren Anstieg der Sale-and-Lease-back-Verträge. Denn für die junge Unternehmergeneration sei das Thema Finanzierungsleasing, so Vinnen, inzwischen selbstverständlich geworden.

Wende geschafft

Nach Abschluss der Verhandlungen konnte zwischen G.M.W. und Nord Leasing eine Finanzierung über 54 Monate vereinbart werden. Inzwischen ist das Unternehmen wieder gut aufgestellt und fertigt auf einem modernen Ma­schinenpark hochwertige Einzelteile für die Energieerzeugung und Luftfahr­tindustrie. So zählt auch Airbus zum festen Kundenstamm, zurzeit fertigt man Teile für die neue Ariane-Rakete. „Das Unternehmen wird erfolgreich weiterbestehen", ist sich Nord-Leasing ­Geschäftsführer Vinnen sicher. Ende 2018 wird entschieden werden, ob G.M.W. die Maschinen zurückkaufen oder eine Anschlussfinanzierung nut­zen will. Für das Unternehmen ergibt sich dadurch ausreichend Zeit, um über die wirtschaftliche Entwicklung entwe­der entsprechende Rücklagen für den Rückkauf der Maschinen zu bilden oder stattdessen die Liquidität etwa für Er­satzinvestition einzusetzen.

 

 

 

Mit Wagniskapital Spitzentechnologien sichern

Deutschland profitiert von einem wachsenden Gründergeist. Junge Unternehmen entwickeln disruptive Technologien, bringen die Digi­talisierung voran und sorgen damit für eine neue Gründerzeit - und gleichzeitig für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Finanziert werden die Innovationen von Venture Capital-Gesellschaften, die den Gründern nicht nur mit finanziellen Mitteln, sondern auch ihrem Netzwerk und ihrer Expertise unter die Arme greifen.

 

 Die Venture Capital-Investitionen der Beteiligungsge­sellschaften zeigen sich in Deutschland seit Jahren stabil. Im letzten Jahr wurden 650 Mio. EUR in 712 junge Unternehmen in Deutschland investiert, 2013 flossen 720 Mio. EUR in 740 Start-ups. Das Fundraising im Venture Capital-Bereich war 2014 wie auch in den Vorjahren weiter mit Schwierigkeiten verbunden. 2014 warben Venture Capital-Fonds 305 Mio. EUR ein. Es bleibt zu hoffen, dass das aktuelle Niedrigzinsumfeld institutionelle Investoren bewegt, 2015 verstärkt in deutsches Beteiligungskapital zu investieren.

 

 

Bayern und Berlin mit den höchsten Venture Capital-Investitionen

Als Hotspots in Deutschland gelten die Bundesländer Ber­lin, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. In Berlin wurden im letzten Jahr 241 Mio. EUR Wagniskapital investiert, damit führte die Hauptstadt das Bundesländer­ Ranking an. Es folgten Bayern mit 139 Mio. EUR an Venture Capital-Investitionen, Nordrhein-Westfalen mit 50 Mio. EUR und Baden-Württemberg mit 42 Mio. EUR. Auch 2013 lagen die vier Bundesländer an der Spitze: Bayern hatte mit 213 Mio. EUR die höchste Zahl an Wagniskapitalinvestitio­nen, gefolgt von Berlin (209 Mio. EUR), Baden-Württemberg (74 Mio. EUR) und Nordrhein-Westfalen (64 Mio. EUR). In Nordrhein-Westfalen ist die Life Sciences-Branche besonders aktiv. Fast die Hälfte des gesamtdeutschen Umsatzes der Biotechnologiebranche wird in NRW erwirtschaftet. Zudem kommen aus NRW europaweit die meisten biotechnologi­schen Patentanmeldungen. Der Life Sciences-Bereich und aufgrund der zunehmenden Digitalisierung auch die ITK-Un­ternehmen zählen zu den wichtigsten Zukunftsbranchen, die auch in den nächsten Jahren weiter aufstreben werden und einen hohen Kapitalbedarf benötigen. Venture Capital­ Gesellschaften leisten hier einen entscheidenden Beitrag zur Stärkung der zukunftsträchtigen und nachhaltigen Inno­vationen.

 

 

Hohe Hürden für Life Sciences-Gründungen

Die Zahlen zeigen deutlich, dass das in der Öffentlichkeit oftmals noch vorherrschende Bild der Bank als Kreditgeber für Gründungen nicht stimmig ist. Unternehmensgründun­gen werden in erster Linie mit Eigenkapital gestemmt. Ven­ture Capital-Gesellschaften betrachten neben dem Risiko vor allem die Chancen, die sich aus den Innovationen erge­ben können. Vor allem der Bereich Biotech und Life Scien­ces bietet viele Potenziale für die medizinische Entwicklung und damit auch die Zukunftssicherung des Forschungs­standortes Deutschland. Doch bedürfen die Unternehmens­gründungen in dieser Branche oftmals auch eines hohen Kapitalaufwands, es dauert mehrere Jahre, bis ein Produkt genügend Tests durchlaufen hat und marktreif ist. Venture Capital-Gesellschaften können hier einen längeren Atem bie­ten als Banken.

 

Engpass bei der Anschlussfinanzierung

Kapitalintensiv sind vor allem auch die Anschlussfinanzie­rungen. Können Gründer ihre Ideen in der Seedphase häufig mit Unterstützung öffentlicher Beteiligungsgesellschaften wie dem High-Tech Gründerfonds oder dem ERP-Startfonds der KfW sowie regional mit Hilfe der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften oder auch der NRW.Bank re­alisieren, fehlt es hingegen bei höherem Kapitalbedarf ab 1 Mio. EUR aufwärts an finanziellen Mitteln. Es gibt momen­tan nur wenige Venture Capital-Gesellschaften in Deutschland, die solche Tickets ausstellen können. Das unzurei­chende Angebot führt auch dazu, dass nach der erfolgrei­chen Gründung eines Unternehmens die Wachstums- und Innovationschancen nicht umgesetzt werden können. Damit wird die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft deutlich geschwächt.

 

 

Bessere Rahmenbedingungen für die Finanzierung junger Unternehmen

Damit die Venture Capital-Gesellschaften genügend Kapital bei Investoren einwerben können, brauchen sie bessere Rahmenbedingungen - und damit die Unterstützung aus der Politik. Die Große Koalition hat in ihrem Koalitionsvertrag die Stärkung von Wagniskapitalfinanzierungen angekündigt, doch sind den Worten bislang keine Taten gefolgt. Im inter­nationalen Vergleich hat Deutschland deutlich Nachholbe­darf. Großbritannien, Skandinavien oder Frankreich zum Beispiel bieten wesentlich bessere Rahmenbedingungen für die Finanzierung junger Unternehmen. Blickt man auf die Investitionszahlen der USA, wird es noch deutlicher: Dort wurden in den vergangenen drei Jahren 64 Mrd. EUR an Venture Capital investiert. In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum gerade 2 Mrd. EUR. Ein Grund dafür sind zu weni­ge institutionelle Investoren hierzulande, die in Venture Capital-Fonds investieren, wie etwa Versicherungen oder Pensionsfonds. Durch die kapitalgedeckte Altersversorgung steht zum Beispiel in den USA grundsätzlich mehr Kapital zur Finanzierung junger Unternehmen zur Verfügung. Des­halb müssen die ausländischen Kapitalgeber für deutsches Venture Capital gewonnen werden. Doch herrscht aufgrund der restriktiven Gesetze hierzulande Zurückhaltung seitens der Investoren. Wenn die Stellschrauben hier nicht nachge­zogen werden, könnte eine Abwanderung der Start-ups ins europäische Ausland oder die USA drohen und Deutschlandverliert damit seine Spitzentechnologien. Mit einem von der Bundesregierung angekündigten Venture Capital-Gesetz könnten hingegen Anreize für Investoren geschaffen wer­den, um mehr Kapital nach Deutschland zu generieren und auch die Rahmenbedingungen für die Start-ups deutlich zu verbessern. Die Erwartungshaltungen sind groß, und die Politik sollte hier ihre Glaubwürdigkeit nicht verspielen, sondern die angekündigten Verbesserungen für die Finanzierung junger Unternehmen auch realisieren.

 

 

BVK legt Gesetzentwurf vor

Der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesell­schalten (BVK) hat Anfang dieses Jahres einen Entwurf für ein Venture Capital-Gesetz vorgelegt, um die Diskussion wei­ter voranzutreiben. Das Artikelgesetz verfolgt einen umfas­senden Ansatz und bietet ein Maßnahmenbündel für die ge­samte Wertschöpfungskette. Für Jungunternehmen, Venture Capital-Gesellschaften sowie Fondsinvestoren schlägt der BVK steuerrechtliche und aufsichtsrechtliche Verbesserungen vor. Die neue Aufbruchstimmung in der Gründerszene sollte auch von der Politik gefördert werden, denn schließlich sind die heutigen Jungunternehmen der Mittelstand von morgen.

 

 

Quelle: Venture Magazin, Mai 2015

 

 

 

 

SO SENKEN SIE JETZT IHRE REISEKOSTEN

Ihre Aufwände für Ihre Dienstreisen steigen Ihnen über den Kopf?

Oder- noch schlimmer- Sie kennen sie gar nicht im Detail?

 

 1)      Buchen Sie zum richtigen Zeitpunkt!

Es gibt zahlreiche Mythen, welcher Wo­chentag für eine Flug-Buchung am besten ist - mindestens einen Mythos pro Wochen­tag. Angesichts der Dynamik und Automa­tisierung des Buchungsgeschehens kann man sie getrost vergessen. Anders sieht es - zumindest auf der Langstrecke - bei der Frage nach dem Vorlauf aus. Eine statisti­sche Auswertung aus mehreren Millionen Flugsuchen (ab Österreich) kam zu einem spannenden Ergebnis: Wer in den Nahen Osten fliegt, kommt statistisch bei Buchung fünf Monate im Voraus am billigsten davon. Flüge nach Afrika sollte man hingegen nur rund zwei Wochen vor dem Flugtag buchen. Fazit: Das klassische Last Minute führt im Corporate-Bereich jedoch fast im­mer zu stark erhöhten Preisen.

 

Vorlaufzeiten zum günstigsten Flug*

Region                        Vorlaufzeit

Nordamerika

2 Monate

Zentralamerika

2 Monate

Afrika

2 Wochen

Asien

1 Monat

Karibik

1 Monat

Südamerika

1 Monat

Naher Osten

5 Monate

Südpazifik

4 Monate

Daten für Österreich. Quelle: checkfelix

 

 2)      Überlegen Sie den Reisetag

Egal, ob privat oder dienstlich: Wer verreist, freut sich, wenn er ein Wochen­ende „mitnehmen" kann. Die Folge: Die vergleichsweise unattraktiven Reisetage Dienstag, Mittwoch und Donnerstag sind in den meisten Fällen die günstigsten. Wer also nicht an einen bestimmten Tag gebunden ist, kann durch die Wahl des richtiger Wochentages seine Reisekosten signifikant senken.

 

Bester Wochentag für Hin- und Rückflug*

Region                       Hinflug           Rückflug

Nordamerika

Mittwoch

Sonntag

Zentralamerika

Mittwoch

Donnerstag

Afrika

Dienstag

Donnerstag

Asien

Montag

Donnerstag

Karibik

Dienstag

Dienstag

Südamerika

Montag

Dienstag

Naher Osten

Mittwoch

Dienstag

Südpazifik

Dienstag

Mittwoch

*Daten für Österreich, Quelle Checkfellx

 

 3) Checken Sie die Eventkalender

Zum Finden des „richtigen" Reisezeitpunk­tes gehört auch die Information, ob zu die­sem Zeitpunkt Kongresse, Messen oder an­dere Großereignisse stattfinden. Events wie die Hannover Messe oder der Song Contest verknappen die Transportmöglichkeiten und lassen die Hotelpreise selbst weiträu­mig deutlich in die Höhe schnellen.

 

 4)   Werden Sie unflexibler!

Je flexibler ein Flugtarif ist, desto teurer wird es: Sind Umbuchungen möglich? Wie sind die Storno-Gebühren und die Storno-Fristen geregelt? Klären Sie, wie flexibel der Tarif, den Sie wählen, tatsächlich sein muss! Nicht selten sind unter dem Strich Storno plus Neubuchung billiger als ein flexibles Ticket.

 

 5)   Vorsicht vor den Nebenkosten!

 Billige Tarife können sich als ziemlich teuer herausstellen, wenn man die Nebenkosten nicht eingerechnet hat. Oft stellen sich regionale Flughäfen, die man bei der Bu­chung nicht auf dem Radar hatte, als die günstigere Lösung heraus. „Nebenkosten" können aber auch psychologischer Natur sein: Wer schon um 4 Uhr in der Früh losgeflogen ist, wird bei der

Besprechung zu Mittag wahrscheinlich nicht ganz bei der Sache sein.

 

 6)      Zentralisieren Sie Prozesse!

Vor allem in kleinen Unternehmen ist oft jeder Mitarbeiter für die Organisation sei­ner Dienstreisen selbst zuständig. Das Zu­sammenführen der Agenden bei einer Per­son führt einerseits dazu, dass Know-how gebündelt wird. Andererseits wird so ver­mieden, dass jeder Mitarbeiter seine Reisen über einen anderen Kanal bucht - was etwa Rabattierungen unmöglich macht.

 

 7)   Erstellen Sie Richtlinien!

Es muss kein dickes Manual sein. Für klei­nere Unternehmen reichen einige wenige Richtlinien in Form einer Travel Policy, die für alle Mitarbeiter bindend ist: Wer hat im Unternehmen welche Berechtigungen? Welche Hotels, welche Flugtarife dürfen

von wem in Anspruch genommen werden?

Gibt es Incentivierungen wie etwa das private Nutzen von Flugmeilen? Die klare Festlegung auf Guidelines hilft nicht nur, Kosten zu senken - sie verhindert auch, dass sich einzelne Mitarbeiter benachteiligt fühlen.

 

 8)  Überlegen Sie eine fixe Partnerwahl!

 Bei Buchungen über ein Reisebüro empfeh­len die Experten die Wahl eines einzigen Ansprechpartners. Da die Fluglinien in Osterreich Full-Content-Vereinbarungen mit den Reisebüros unterhalten, ändert eine fixe Partnerschaft zwar nichts an den

Preisen selbst. Doch viele Reisebüros bieten bereits eine Menge an Zusatzleistungen an: Reportings, also das Herunterbrechen der Kosten auf die einzelnen Kostenstellen des Kunden. Oder auch eine Echtzeit-Doku­mentation, wo sich welche Mitarbeiter des Unternehmens gerade befinden. Manche Reisebüros haben sich bereits zu echten Consulting-Unternehmen entwickelt. Nicht zuletzt erleichtert eine solche Partnerschaft auch die Rabattierung.

 

 9)  Buchen Sie über Firmenkreditkarte!

Eine Maßnahme, die sich auch für kleine Unternehmen schnell lohnen kann. Auch bei relativ wenigen Buchungen erleichtert eine Firmenkreditkarte die Abrechnungs­prozesse deutlich. Andererseits gibt sie auch dem Reisebüro eine erhöhte Sicher­heit, was die Zahlung betrifft.

 

 10)  Hinterfragen Sie die Dienstreise selbst

Dienstreisen haben die Eigenschaft, sich psychologisch zu „wohlerworbenen Rechten" zu mausern. Werden sie nicht gestattet, empfinden dies Mitarbeiter oft als Zurückweisung. Dennoch hilft es, manch­mal einen Schritt zurück zu gehen und den Sinn einer Dienstreise zu hinterfragen. Es gibt zahlreiche Anlässe, die eine Präsenz vor Ort verlangen - vieles lässt sich aller­dings auch mittels Videokonferenzen lösen. Eine Dienstreise, die nicht stattfindet, ist hinsichtlich Kostensenkung immer noch unschlagbar.

 

 

Quelle: Aussenwirtschaft Magazine Mai 2015

Am Puls der europäischen Business Angels-Märkte

Business Angels sind die wichtigsten Frühphasenfinanzierer in Europa. Sie investieren das 2,5-fache der Summe, die Venture Capital-Gesellschaf­ten europaweit in Unternehmen der frühen Phase investieren. Je mehr die Start-up-Szene boomt, desto größer die Nachfrage nach Kapital und Know-how. Angel Investing befindet sich im Aufschwung - sowohl national als auch in der Europäischen Union. In Europa mehren sich die Stimmen, die prophezeien: „The best years of angel investment are yet to come."

 

Den europäischen Business Angels-Markt gibt es nicht: Vielmehr gibt es große Unterschiede, was den Reifegrad und die Struktur des jeweiligen nationalen Marktes anbelangt. Mit Großbritannien an der Spitze gehört das deutsche Business Angels-Ökosystem europaweit zu den führenden Märk­ten, ebenso wie Frankreich und die skandinavischen Länder. Länder wie Spanien und Portugal haben mit intensiver Förde­rung durch die Politik sehr früh damit begonnen, einen Angels­-Markt aufzubauen. Allerdings haben diese Märkte im Zuge der Finanzkrise deutliche Einschnitte hinnehmen müssen. Kleinere Länder gehen oft den Weg der Konzentration. Sie fokussieren sich vorrangig auf eine Branche, bauen dafür ein attraktives Um­feld auf und werben aktiv für Start-ups und Investoren. Nachhol­bedarf besteht in den osteuropäischen sowie in den jungen Län­dern der EU. Interessant ist auch der Blick nach Irland mit seinem Modell einer staatlich geförderten integrierten Innova­tionsallianz mit Frühphasenfinanzierung als zentralem Teilbe­reich.

 

Regionale Unterschiede

Ausgangspunkt für die Entwicklung aller europäischen Angels-­Märkte waren die Gründungen regionaler Business Angels-Netz­werke in den jeweiligen Staaten als Ankerpunkte der Infrastruk­tur. Während in Frankreich das Ökosystem nach wie vor von den Netzwerken dominiert wird, zeigt sich in Deutschland und Großbritannien der Trend zu mehr Diversität: Die Angels-­Märkte differenzieren sich aus, neue Modelle und Partnerschaf­ten entstehen, wobei die Anzahl der Netzwerke in beiden Län­dern weitgehend stabil bleibt. Anders in Belgien: Dort sind durch Zusammenschlüsse aus den sieben seit 1998 gegründeten Business Angels-Netzwerken zwei große Netzwerke entstanden. Bemerkenswert auch die Unterschiede in der Entwicklung hin zu zentralen und dezentralen Strukturen. Frankreich und Großbritannien beklagen die Tendenz zur Konzentration der Angels­-Aktivitäten rund um Paris, Lyon und das Mittelmeer bzw. um London und South East. Anders in Deutschland: Angel-In­vestoren sind allerorten aktiv, wenngleich es regionale Unter­schiede gibt.

 

Transparenz ist gefragt

Eine Frage, die alle interessiert: Wie groß ist der europäische Business Angels-Markt? Die einfache Antwort lautet: Wir wissen es nicht. Die vorhandenen Zahlen sind nicht repräsentativ und können sich naturgemäß nur auf den sichtbaren Teil des Mark­tes beziehen. Auch lassen sie sich nicht vergleichen, da sie in unterschiedlichen Kontexten, auf der Basis uneinheitlicher Definitionen und Standards erhoben werden. Das erschwert nicht nur die Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch die konkrete politische Bewertung des Marktes und die Erfolgskontrollen von politischen Maßnahmen. Der Statistik- und Forschungsbe­darf ist daher enorm. Transparenz ist gefragt, wobei sich im europäischen Diskurs die Überzeugung durchgesetzt hat, dass es dabei nicht nur um den quantitativen, sondern auch und vor allem um den qualitativen Aspekt zu gehen hat. Dem Puls des europäischen Angels-Markts nachzuspüren, Marktbedingungen und -gegebenheiten zu analysieren und wo möglich, Daten se­riös zu erheben, sind die zentralen Herausforderungen, vor denen die europäische Angels-Community steht.

 

Treibende Kräfte für Angel Investing in Europa?

Unisono werden in Europa Steueranreize als zentrale Triebkräf­te für Angel-Investitionen gesehen und gefordert. Großbritan­nien hat es vorgemacht und mit dem Enterprise Investment Scheme (EIS) und dem Seed Enterprise Investment Scheme (SEIS) sowohl Einkommensteuervorteile für Investoren festge­schrieben als auch die Möglichkeit geschaffen, Verluste nach Verkauf der Anteile auf Einkommen oder Kapitalerträge gegenzurechnen. Die Praxis bestätigt den Erfolg des seit mehr als 30 Jahren aktiven Anreizsystems: Die Insel steht im Blick auf An­gel Investing europaweit an der Spitze. Mit Invest - Zuschuss für Wagniskapital hat die deutsche Bundesregierung ein nicht steu­erlich indiziertes Anreizsystem in den Markt gebracht, das eu­ropaweit viel beachtet wird. Zu vermuten ist, dass es bald Nachahmer finden wird. Gleichwohl muss es, um seine Wirkung voll zu entfalten, deutlich mehr Angels mobilisieren. Voraussetzung, dass dies gelingt, ist, neue Investoren an den Markt heranzufüh­ren. Europa braucht mehr private Investoren, und diese müssen für das risikoreiche Geschäft qualifiziert werden. Investor Readiness-Programme gelten als eine der Stellschrauben, um den europäischen Business Angels-Markt zu beleben. Um auf diese und andere Marktnotwendigkeiten zu reagie­ren, ist eine starke Dachorganisation, die das jeweilige Business Angels-Ökosystem repräsentiert, als Stimme der Community gegenüber der Politik auftritt, sich für adäquate Rahmenbedingungen einsetzt und die vor allem Awareness für den Angel-Gedanken schafft, unverzichtbar. Was mit der Formierung von BAND im Jahr 2001 als weltweit erste Dach­organisation überhaupt begonnen hat, ist inzwischen in führenden Märkten Standard.

 

Und die zentralen Trends?

Angels investieren immer häufiger gemeinsam, ein Trend, der sich auch in Deutschland zeigt. Der französische Angels­-Verband geht davon aus, dass nahezu alle Investments in Syndikaten erfolgen, Großbritannien schätzt, dass das für sieben von zehn Investments gilt, in Belgien sind an über 60% der Deals mehrere Angels beteiligt. Hoch im Kurs stehen öffentlich finanzierte Co-Investment-Programme, denn selbst bei steigender Anzahl aktiver Angel-Investoren kann von diesen allein eine ausreichende Finanzierung von Inno­vationen und Start-ups nicht geleistet werden. Was fehlt ist die Antwort auf die Frage „Exit". Erfolgreiche Exits dauern länger als geplant, sie zu realisieren ist für Angel-Investoren die große Herausforderung. Wie sich klare Chancen für die Realisierung von Renditen ergeben, die Antwort auf diese Frage bleibt der Markt allerdings noch weitgehend schuldig.

 

Fazit

Der europäische Business Angels-Markt ist in Bewegung. Wichtige Schritte sind getan. Dennoch: Anlass, nunmehr die Hände in den Schoß zu legen, gibt es nicht. Das Business Angels-Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft. Geweckt wer­den muss der schlafende Riese des privaten Kapitals.

 

Quelle: VentureCapital Magazin 05/2015

Crowdfunding für den Mittelstand

Kleine und mittelständische Unternehmen gelten als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Nichtsdestotrotz haben sie in Deutschland, wie auch im Rest Europas, in der Vergangenheit und Gegenwart oft mit Schwierigkeiten zu kämpfen, ihre Projekte oder Wachstumsstrategien ausreichend finanziert zu bekommen. Kann Crowdsourcing eine Lösung sein?

 

Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) zählen zu den Gründen, weshalb die Krise an Deutschland beinahe spurlos vorbei gezogen ist. Andere Länder schauen deshalb oft beneidenswert auf die Anzahl und Zusammensetzung der in Deutschland beheimateten KMU und wünschen sich ebenfalls eine solche. Doch vor allem in der Seed-Phase, die für den ersten Abschnitt im Lebenszyklus eines Un­ternehmens steht, ist es für KMU kein leichtes Unterfangen, genügend Ka­pital zu beschaffen. In dieser Phase stellen zumeist Venture-Capital-Geber dem Unternehmen sogenanntes Risi­kokapital zur Verfügung. Im Länder­vergleich spielen in Deutschland klas­sische Venture-Capital-Geber bei der Finanzierung von Projekten kaum eine bedeutende Rolle. Diese Entwicklung trägt mittelfristig zu einem erheblichen Wettbewerbsnachteil für deutsche und europäische KMU bei.

 

Ein Blick auf die in den letzten Jahren im Bereich der Informationstechnologie gegründeten Unternehmen zeigt einen klaren Trend in Richtung USA und Is­rael. Im direkten Vergleich der europä­ischen lT-Cluster mit dem Silicon Valley weisen diese anhand einer Studie des Fraunhofer-Instituts von 2013 entschei­dende Schwächen auf. Unter anderem ist die Mobilisierung von Venture Ca­pital kaum existent. Um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und der hier ansässigen KMU nicht zu gefährden, ist es erforderlich, dass die­sen ein erleichterter Zugang zu Kapital und vor allem Risikokapital bereitsteht. Eine Möglichkeit könnte Crowdfunding sein, als neuartige und alternative Form der Kapitalbeschaffung.

 

Wie und wann ist Crowdfunding sinnvoll?

Crowdfunding für den Mittelstand muss eigenkapitalstärkend sein. Ge­rade bei der Wachstumsfinanzierung und wenig stark belastbaren Cash? Flow-Konstellationen ist eine Finanzie­rungsalternative durch den Schwarm zielführend. Typischerweise sinkt bei wachsenden Unternehmen die Ei­genkapitalquote, weil Gewinne in der Regel zuerst erwirtschaftet werden müssen, bevor sie wirksam auf das Eigenkapital einzahlen. In dieser Situ­ation verschlechtert sich die statische Bonität des Unternehmens, obwohl das Geschäftsmodell intakt ist. Banken kommen also an ihre Kreditvergabegrenzen. Hier hilft Crowdfunding, wo­bei das Thema dort bisher noch nicht wirklich angekommen scheint. Aber auch gerade dort sind die Risiken we­sentlich kalkulierbarer als im Start-up­- Segment. Auch der zu adressierende Markt ist um ein Vielfaches größer.

 

Kommunikation ist alles

Eine der wichtigsten Determinanten in der Vorbereitung ist die Bereitschaft zu Transparenz, abgestimmtem Mar­keting und moderner und medienad­äquater Kommunikation. Oft sind Mit­telständler bevorzugt im B2B-Bereich aktiv und stellen ein für den Branchen­fremden eher erklärungsbedürftiges Produkt her. Darum sollte in der Vor­bereitung der Kampagne besonders viel Wert auf das „sich Erklären" im wahrsten Wortsinn für die potenziellen Anleger gelegt werden. Ohne radikal transparente Prozesse wird ein Zugang zur Crowd schwer zu finden sein - wäh­rend der Finanzierungkampagne, der laufenden Anlegerbetreuung und im regelmäßigen Reporting.

Wann finanziert der Schwarm

Beim Anbieter Bankless24 hat die Crowd einem Anbieter von Verlagssoftware, der bereits seit 20 Jahren am Markt ist, aus einem Finanzierungseng­pass helfen können. Bei der Berliner Crowdfunding-Plattform Zencap konn­te ein Maschinenbauer mit 90 Jahren Familientradition und nahezu 8 Mio. Euro Umsatz über zwei Kreditprojek­te über 300.000 Euro sichern. Weitere 500.000 Euro wurden in Folge von sei­ner Hausbank als Darlehen für ein gro­ßes Wachstumsprojekt genehmigt.

 

Aber die Finanzierung über den Schwarm ist beileibe kein immer si­cheres Unterfangen. Auf Bankless24 hatte im vergangenen Jahr ein Unter­nehmen ein Finanzierungsprojekt ge­startet, wobei nur knapp 30.000 Euro eingesammelt werden konnten und damit die Funding-Schwelle von 50.000 Euro verfehlt wurde. Das Unternehmen selbst hatte ein durchaus attraktives Chancen-Risiko-Profil, aber ein B2B- ­Geschäftsmodell ohne eigene Fanbasis oder Crowd. Hier wurde deutlich die Herausforderung der Vermarktung des eigenen Projekts verkannt. Letztlich ist das Projekt daran gescheitert, dass zu wenige Investoren aus dem Unternehmensumfeld zu einem frühen Zeitpunkt gewonnen werden konnten und die Crowd sich daher auch zurückgehalten hat. Nur wenige Unternehmen schaffen es final als Finanzierungsprojekt auf einer Plattform gelistet zu werden. Die durchschnittliche Ablehnquote ist mit knapp 70 Prozent hoch.

 

Quelle: Unternehmeredition Mai 2015

Freie Liquidität für Unternehmen

Mit Hilfe von Sale-and-Lease-back hat die G.M.W. Präzisions GmbH & Co. KG aus Burg die Wende geschafft. Doch das Produkt eignet sich nicht nur in Restrukturierungsfällen. Auch im Rahmen von Wachstumsszenarien oder Expansion greifen immer mehr mittel­ständische Firmen zu dieser alternativen Finanzierungsform. VON HOLGER GARBS

 

Mit einer Maschine fing alles an, im Jahr 1992, als die G.M.W. Präzisions GmbH & Co. KG

von Erich und Norbert Brinkmann ge­gründet wurde - Vater und Sohn. Ge­fertigt wurden hochpräzise Großteile für die Energieerzeugung. Von Beginn an konnte sich das Unternehmen eines stetig wachsenden Kundenstammes erfreuen.

 

Ausweg aus der Krise

2010 wurde ein Erweiterungsbau mit einem Investitionsvolumen von rund 20 Mio. Euro in Betrieb genommen. Trotz der anhaltenden Finanzkrise und deren Auswirkungen gelang es dem Unternehmen zunächst, die wirt­schaftliche Entwicklung und Liquidi­tätslage stabil zu halten. Als jedoch ein Großkunde aufgrund seiner wirt­schaftlichen Schieflage die Produktion einstellen musste und weitere Aufträge ausblieben, musste G.M.W. Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden. Eine wirksame Lösung in dieser Situation bot die Nord Leasing GmbH in Form ei­ner Sale-and-Lease-back-Finanzierung. „Diese eignet sich besonders gut für Unternehmen, die sich in Phasen der Restrukturierung oder Neuaufstellung befinden', erklärt Thomas Vinnen, Ge­schäftsführer und Gründer der Nord Leasing.,, Das Verfahren erhöht nicht nur kurzfristig den Liquiditätszufluss für das jeweilige Unternehmen, son­dern auch die Eigenkapitalquote und hat somit einen positiven Einfluss auf das Rating", so Vinnen.

 

Ergänzung zur Bankenfinanzierung

Heute ist Nord Leasing wichtigster Marktplayer für Sale-and-Lease-back­Verfahren im deutschsprachigen Raum. Gleichwohl gilt diese Finanzie­rungsart gerade gegenüber etablier­ten Mittelständlern zuweilen noch als erklärungsbedürftig. „Natürlich gehört ein Maschinenpark wie im Fall der G.M.W. übergangsweise der Nord Lea­sing", sagt Vinnen und räumt mögliche Vorbehalte auf Unternehmensseite aus:

„De facto bleiben die Maschinen aber immer im Besitz des produzierenden Unternehmens." Auch eine strategische Mitsprache schließt er aus. Rund ein Drittel der Firmen, die das Verfahren in Anspruch nehmen, sind laut Vinnen bestens aufgestellt und wollen kurz­fristig weitere Liquidität generieren, vor allem in Wachstumssituationen oder im Rahmen von Internationalisie­rungen. Ein weiteres Drittel wählt Sale ­and-Lease-back, um einen Rückschlag, etwa den kurzfristigen Ausfall eines Großkunden, zu verkraften. „Das letzte Drittel unserer Kunden hat größere Liquiditätsprobleme", erklärt Vinnen. Für die Unternehmen bildet das Produktangebot der Nord Leasing immer eine Ergänzung zur herkömmlichen Bankenfinanzierung.,, Es geht nicht darum, zu den bestehenden Finanzierungspartnern in Konkurrenz zu treten", so Vinnen. „Im Gegenteil, die Banken freuen sich über frisches Kapitalfür ihre Bestandskunden." In Zukunft erwartet er einen weiteren Anstieg der Sale-and-Lease-back-Verträge. Denn für die junge Unternehmergeneration sei das Thema Finanzierungsleasing, so Vinnen, inzwischen selbstverständlich geworden.

 

Wende geschafft

Nach Abschluss der Verhandlungen konnte zwischen G.M.W. und Nord Leasing eine Finanzierung über 54 Monate vereinbart werden. Inzwischen ist das Unternehmen wieder gut aufgestellt und fertigt auf einem modernen Maschinenpark hochwertige Einzelteile für die Energieerzeugung und Luftfahrtindustrie. So zählt auch Airbus zum festen Kundenstamm, zurzeit fertigt man Teile für die neue Ariane-Rakete. „Das Unternehmen wird erfolgreich weiterbestehen", ist sich Nord-Leasing-Geschäftsführer Vinnen sicher. Ende 2018 wird entschieden werden, ob G.M.W. die Maschinen zurückkaufen oder eine Anschlussfinanzierung nutzen will. Für das Unternehmen ergibt sich dadurch ausreichend Zeit, um über die wirtschaftliche Entwicklung entweder entsprechende Rücklagen für den Rückkauf der Maschinen zu bilden oder stattdessen die Liquidität etwa für Ersatzinvestition einzusetzen.

Europa vs. Google: Der falsche Kampf

Mit allen rechtlichen Mitteln kämpfen neuerdings europäi­sche Unternehmen und nun auch die EU-Kommission ge­gen Google und andere Inter­net-, Handy-, PC- und sonsti­ge Elektronik-Konzerne. Mit allen rechtlichen Mitteln, aber leider nicht mit wirtschaftli­chen, nicht mit der Entwick­lung besserer Produkte, als es die amerikanischen sind.

Europa hat in den letzten zwei, drei Jahrzehnten die elek­tronische Revolution total verschlafen. Amerika und Ost­asien triumphieren bei Geräten und noch mehr dort, wo einzig und allein Gehirnschmalz ent­scheidet. Bei der Entwicklung von Apps, bei „sozialen" Netz­werken, bei Suchmaschinen, bei Handys. Überall.

Es ist heute in diesen Berei­chen kein einziges relevantes Unternehmen aus Europa auf dem Markt, obwohl sich Euro­pa gehirnmäßig so elitär dünkt.

Es dominieren zur Gänze ame­rikanische, aber auch südko­reanische, taiwanesische, chi­nesische Unternehmen, die es vor wenigen Jahren noch gar nicht gegeben hat, oder die winzig und unbedeutend wa­ren. Der einzige, eine Zeitlang mitspielende europäische Player, Nokia, ist heute unbe­deutend - und von Amerika­nern aufgekauft. Und SAP ver­lagert sich selbst zunehmend in die USA.

Die restlichen europäischen Unternehmen in diesem Be­reich spielen bestenfalls in der dritten Liga mit. Europa scheint beim Automobil steckenge­blieben zu sein.

Warum nur? Was sind die Ursachen? Vieles.

• Europa ist satt;

• es ist total überreguliert (durch EU wie Staaten);

• junge Menschen, die wie viele Amerikaner in der eigenen Garage an tollen Zukunftsprodukten basteln wollen, werden von hohen Steuern und Sozialversicherungsabgaben, vom endlosen Schreiben von För­derungsansuchen an ignoran­te Fonds, von zahllosen Vor­schriften, Mindestkapitalsteu­ern selbst bei Gewinnlosigkeit, Gewerbeinspektoren, Umwelt­vorschriften usw. so zermürbt, dass sie wieder aufgeben;

• im Konkurs zu scheitern stig­matisiert in Europa, während es in den USA Ansporn ist, es beim nächsten Mal besser zu machen;

• Europas Universitäten ver­schwenden viel zu viel Geld für joblose Disziplinen und Skurriltheorien wie Genderismus;

• die Entwicklung von jungen Start-ups aus einer Uni heraus war lange als widerlicher neo­liberaler Kapitalismus total tabu.

Nach Jahren des Brütens hat jetzt die EU-Kommission eine Strategie für einen digitalen Binnenmarkt präsentiert. Die­se Strategie wird aber mit Si­cherheit nichts bewirken. Wirt­schaftliche Dynamik kann nie von oben angeordnet, son­dern nur ermöglicht werden. Entscheidend für den amerika­nischen und asiatischen Elek­tronik-Erfolg sind auch nicht die oft angeprangerten Strate­gien der Steuerschonung; sol­che wenden auch europäische Unternehmen an. Die EU-Stra­tegie konzentriert sich schon wieder viel zu sehr auf hem­mende rechtliche Aspekte wie Verbraucherschutz. Europa begreift offensichtlich immer noch nicht, dass wirtschaftli­che Dynamik nicht durch ein Mehr an Obrigkeits-Aktivität entsteht, sondern nur durch ein Weniger. Weniger Steuern, weniger Vorschriften.

Mit Wagniskapital die Wirtschaft erneuern

Um an der Spitze zu bleiben, muss ein Land mehr und grundlegendere Innovationen hervorbringen und neue Unternehmen konsequent auf den Wachstumskurs trimmen. Die ertragreichsten Investitionen sind jedoch auch die riskantesten.

 

Wenn ein ganz neuer Markt entsteht, können die ersten Anbieter den Markt dominie­ren oder vollständig scheitern. Innovative Start-ups sind an­fangs oft technologisch fi­xiert. Unternehmerische Erfah­rung und professionelles Ma­nagement müssen sie erst ent­wickeln. Sie brauchen drin­gend Eigenkapital und sind fi­nanziell anfällig. In den ersten drei bis fünf Jahren scheitert etwa die Hälfte. Kredite schei­den meist aus, wenn sich Ban­ken angesichts eines uner­probten Geschäftsmodells und fehlender Sicherheiten einem derart großen Risiko gegenüber sehen. Innovative Grün­dungen brauchen risikotra­gendes Beteiligungskapital sowie aktive strategische Be­ratung und Überwachung aus einer Hand.

 

Wagnisfinanzierung erfolgt meist mit Eigenkapital oder Wandelschuldverschreibun­gen in mehreren Runden, wo­bei die nächste Tranche vom Erreichen wichtiger Meilen­steine abhängt. Die Finanziers sichern sich zusätzliche ver­tragliche Rechte, damit sie im Notfall eingreifen können. Die Gewinn- und Verlustbetei­ligung schafft ein starkes In­teresse, sich mit Beratung ak­tiv zu engagieren, um so den eigenen Beteiligungsertrag weiter zu steigern. Dieser Zeitaufwand bedeutet, dass ein Finanzier nur wenige Portfoliounternehmen betreuen kann.

 

Wagnisfinanzierung entschärft zwei Probleme: Zugang zu Kapital und mangelnde Managementerfahrung. Erstens ermöglicht Wagniskapital die Realisierung von potentiell sehr rentablen Projekten, die sonst keine Bankkredite erhalten würden. Auch wenn es teurer und mit mehr Kontrolle verbunden ist als ein Bankkredit, ist Wagniskapital besser als gar keine Finanzierung. Zweitens hilft die strategische Beratung und Kontrolle den Beteiligungsfimen, ihr Potential auszuschöpfen. Die Forschung zeigt, dass Firmen mit Wagniskapital schneller wachsen, und mehr Jobs schaffen als andere vergleich­bare Unternehmen. Wagnisfi­nanzierte Firmen verfolgen ra­dikalere Innovationsstrategi­en, beschleunigen den Markt­eintritt und professionalisieren sich rascher in Management, Marketing und Personalwe­sen. Die Gründer empfinden oft einen Verlust an Unabhän­gigkeit, wenn die Wagnisfinan­ziers ihre Kontrollrechte und Eingriffsmöglichkeiten nutzen. So können jedoch frühzeitig vermeidbare Ausfälle und mögliche Fehlentwicklungen verhindert werden.

 

Das Engagement eines Wagnisfinanziers, der Erfah­rung, Marktkenntnisse, Kon­takte und Netzwerke einbringt, wirkt auf andere Kapitalgeber vertrauensbildend und ermög­licht zusätzliche Bankkredite, die sonst nicht verfügbar wä­ren. Die bessere Performance von wagnisfinanzierten Fir­men im Vergleich zu anderen Start-ups ist etwa zu 50 % auf eine bessere Projektauswahl und zu 50 % auf strategische Beratung und Kontrolle zurückführen. Der Erfolg hängt sehr von Qualität, Knowhow und Reputation der Finanzierungsgesellschaften ab.

 

Wagniskapital vervollstän­digt den Kapitalmarkt in seiner Fähigkeit, Unternehmensfinanzierung bereitzustellen. Wagnisfinanzierung steht nicht in Konkurrenz, sondern in einer natürlichen Arbeitsteilung zur Kreditfinanzierung der Banken. Wagnisfinanziers stellen Eigenkapital für risikoreiche Wachstumsunternehmen bereit, die zu betreeungs- und kontrollintensiv sind und daher für Bankkredite alleine nicht in Frage kommen. Die Probleme im Zugang zu Kapital und der Bedarf an strategischer Beratung sind in der Anfangsphase am größten. Im Laufe der Zeit bauen die Firmen Risiken ab, professionalisieren sich und werden besser von außen überprüfbar, bil­den mehr Eigenmittel und kön­nen Sicherheiten für Kredite bereitstellen. Teures Wagnis­kapital kann durch Kapitalmarktfinanzierung und Bank­kredite abgelöst werden. Der Ausstieg erfolgt in den besten Fällen durch einen Börsen­gang, womit die Gesellschaf­ten am ehesten gute Preise für ihre Anteile erzielen. Eine liquide Börse für junge Tech­nologieunternehmen begüns­tigt die Entwicklung der Wag­niskapitalbranche.

 

Beteiligungsfonds werden mit beschränkten Laufzeiten aufgelegt. Nachdem die Pro­bleme mit zunehmender Le­bensdauer abnehmen, ist es sinnvoll, dass Wagnisfinan­ziers ihre Tätigkeiten laufend von reiferen Firmen zu risiko­reichen Start-ups verlagern. Mit ihrem Ausstieg erlangen die Unternehmer ihre Unab­hängigkeit und Kontrolle zu­rück. Die Gründer können die Kontrollrechte und Eingriffs­möglichkeiten, die mit Wagnis­kapital verbunden sind, am ehesten akzeptieren, wenn der Ausstieg bereits zu Beginn absehbar ist.

 

Wie kann die Politik der Branche mehr Schubkraft ge­ben? Erstens kann sich der Markt nur entwickeln, wenn genügend Bedarf durch tech­nologieintensive Gründungen da ist. Das fängt in den Universitäten und Fachhochschulen an, welche die Forscher neben der Zusammenarbeit mit etablierten Konzernen auch zur Selbstständigkeit ermutigen sollten. Bürokratische Hürden für Gründungen sind zu beseitigen und das Insolvenzrecht ist mit dem Gläubigerschutz so zu vereinbaren, dass nach dem Scheitern auch ein Neustart möglich bleibt und nicht eine Stigmatisierung die weitere Karriere beschädigt. Zweitens gilt es, steuerliche und regulatorische Hindernisse für Beteiligungskapital abzubauen. Dazu zählt die Verbesserung ­des steuerlichen Verlustaus­gleichs und Verlustvortrags. Der Staat sollte sich an Erträ­gen und Verlusten gleicherma­ßen beteiligen. Der eigenkapi­talintensiven Wagniskapitalbranche wäre sehr geholfen, wenn mit der steuerliche Ab­zugsfähigkeit einer normalen Eigenkapitalverzinsung die Diskriminierung gegenüber dem Fremdkapital beseitigt würde. Angesichts des Kapitalmangels müssen die Unternehmen jeden Gewinn einbehalten und erzielen ihren Ertrag vorwiegend als Wertsteigerung. Daher ist eine geringe Kapitalgewinnsteuer für die Branche günstig.

 

Drittens erleichtert eine li­quide Börse den Handel mit Beteiligungen. Das. begünstigt den Börsengang und damit den Ausstieg der Wagnisfi­nanziers. Die Schweiz weist mit ihren starken Börsen einen re­lativ hohen Anteil des Wagniskapitals am BIP auf. Dieser Zustand wird durch die kapi­talgedeckte Alterssicherung befördert, weil die Pensions­fonds Assets im Umfang von etwa 120 % des BIPs verwal­ten, damit zur Liquidität der Börse beitragen und zwecks Diversifizierung einen kleinen Teil ihres Vermögens auch in riskantes Wagniskapital investieren. Viertens wäre es wichtig, mit Netzwerkbildung und günstigen Bedingungen für Beteiligungsfonds erfahrene Unternehmer und Manager zu gewinnen. Dieses Knowhow ist für die wertsteigernde Wirkung des Wagniskapitals zentral und hilft den Start-ups, ihr Potential auszuschöpfen. Fünftens können öffentliche Programme eine Lücke schlie­ßen, solange der private Markt unterentwickelt ist. Dabei ist eine klare, komplementäre Arbeitsteilung mit privaten Ge­sellschaften nötig, damit die Aktivitäten sich nicht rivali­sieren. Vor allem braucht es gleich lange Spieße im Wettbe­werb, z.B. gleiche Bedingun­gen für die Refinanzierung, damit die öffentlichen Gesell­schaften nicht die Entwicklung der privaten Beteiligungs­fonds behindern.

 

Die radikalsten und riskantesten Innovationen erwirtschaften die höchsten Erträge. Angesichts des großen Risikos sind aber besonders viele Gründungen nötig, damit einige wenige durch anhaltende Innovation zu Großunternehmen heranwachsen, indem sie mit Wagniskapital konsequent auf Wachstum getrimmt wer­den. Die jungen innovativen Start-ups sind die nächste Ge­neration von multinationalen Konzernen.

 

Aus: BK 11 vom 12. März 2015

 

 

 

Knackpunkt Finanzierung

 

„Ohne Moos nichts los" lautet ein bekannter Schlager. Davon können Unternehmensnachfolger in der Tat ein Lied singen. Der Dauerbrenner Finanzierung ist das größte Hemmnis für Nachfolger. Ein Lichtblick: die derzeit niedrigen Zinsen.

 

Der Zugang zum Bankkredit - die klassische Finanzierungs­form - hat sich für Unternehmensübernahmen in den letzten zwölf Monaten positiv entwickelt. Doch jeder zweite, der ein Unterneh­men übernimmt, hat Schwierigkeiten, Kaufpreis und Modernisierungsin­vestitionen zu finanzieren. Das gilt selbst in der aktuellen Niedrigzinsphase, wie der DIHK-Report Unter­nehmensnachfolge belegt. Besonders in der Industrie schreckt der hohe Kapital- und Modernisierungsbedarf schon im Vorfeld viele mögliche Neuinhaber ab. Hier kommen rein rech­nerisch fünf Alt-Eigentümer auf einen möglichen Nachfolger.

 

Unternehmen suchen Nachfolger - Nachfolger suchen Geld

Immer mehr Unternehmer erreichen das „Ruhestandsalter". Gleichzeitig ziehen viele qualifizierte Personen eine gut dotierte Festanstellung der risikoreicheren Selbstständigkeit vor. Kommt es dennoch zu Übernahme­verhandlungen, scheiden sich beim Kaufpreis oft die Geister: Vier von zehn Alt-Inhabern fordern mit Blick auf ihr Lebenswerk eine überhöhte Summe.

 

Günstiges Finanzierungsumfeld verschafft Atempause

Auch wenn es den potenziellen Nach­folgern oft am notwendigen Kapital mangelt, so machen sich nicht nur die derzeit guten Finanzierungskonditio­nen positiv bemerkbar. In vielen Fällen trug laut IHK-Berichten auch eine ver­besserte Finanzkommunikation zwi­schen Finanzierungspartnern, Überge­bern und Übernehmern dazu bei, dass es mit der Finanzierung besser klappt.

Fortschritte sehen die IHKs auch bei der Übernahme von Bürgschaften. Die über Jahre gut laufende Konjunktur hat das Kreditausfallrisiko und damit auch das Verlustrisiko für die Vergabe von Bürgschaften gemindert. Bürgschaften helfen, den gerade bei Gründern anzu­treffenden Mangel an Sicherheiten et­was zu lindern.

 

Hürden für Finanzierung von Übernahmen senken

Die Regulierungen der Finanzmärk­te (Stichwort: Basel III) werden den Zugang zu Fremdkapital sukzessive erschweren. Deshalb wird die Beteili­gungsfinanzierung auch von Betriebs­übernahmen künftig eine stärkere Rolle spielen müssen. Ein wichtiges Hemmnis liegt in den restriktiven Re­gelungen zur Nutzung des Verlustvor­trags (§ 8c KStG, auch Mantelkaufver­bot). Sie sollten auf Missbrauchsfälle beschränkt werden.

Außerdem will die Bundesregie­rung prüfen, Veräußerungsgewinne bei Streubesitzanteilen (also von unter zehn Prozent) an Kapitalgesellschaften zu besteuern. Das würde Beteiligungen für Investoren unattraktiv machen und daher auch die Finanzierung von Unternehmensnachfolgen erschweren.

Bei der Finanzierung der Übernah­me mit Beteiligungskapital ist die Si­tuation aktuell zwar nicht mehr ganz so eng. Doch zwei Drittel der IHKs berichten nach wie vor von einem schwierigen Zugang. Ähnliches gilt bei der Finanzierung der Übernahme mit Eigenmitteln. Kaum jemand kann eine Betriebsübernahme überwiegend aus eigener Schatulle stemmen.

Erbschaftsteuer mittelstandsfreundlich umsetzen

Hinsichtlich der familieninternen Nachfolge herrscht in vielen Unternehmen vor dem Hintergrund des Bundesverfassungsgerichtsurteils Verunsicherung. Die Politik ist gefordert, möglichst rasch ein verfassungsfestes, mittelstandsfreundliches Gesetz vorzulegen, das den Familienunternehmen in Deutschland Rechtssicherheit bietet, eine steuerlich höhere Belastung bei der Unternehmensübergabe ausschließt und so den Standortvorteil „Unternehmenskultur“ in Deutschland sichert

 

Quelle: Unternehmer Edition, Februar 2015

 

 

Beteiligung der Mitarbeiter liegt im Trend

Immer mehr Unternehmen nutzen Beteiligungsprogramme, um ihre Mitarbeiter noch stärker an sich zu binden und sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Insbesondere mittel­ständische Unternehmen können dieses Instrument für sich optimal nutzen.

 

Mitarbeiterbeteiligung kommt langsam wieder in Mode. Nach Bilfinger, Dräger und Osram hat im vergangenen Jahr die Kion Group AG aus Wiesbaden als weiteres großes Aktienunternehmen ein Mitarbeiterak­tienprogramm aufgelegt. Damit stehen diese in einer Reihe von Namen wie RWE, SAP und Siemens, die schon seit Jahren ihre Mitarbeiter mit vergünstig­ten Aktien am Kapital des eigenen Un­ternehmens beteiligen.

Sie alle vereint die Überzeugung, dass sich eine Mitarbeiterbeteiligung positiv auf Motivation und Verantwor­tung sowie die Gewinnung und Bindung der Mitarbeiter auswirkt. Vor allem Letzteres erklärt die Wiederbelebung solcher Beteiligungsprogramme. In An­betracht des demografischen Wandels wollen die Unternehmen ihre Mitarbei­ter länger halten und sich von konkur­rierenden Arbeitgebern differenzieren.

 

Nicht nur für die Großen

Demografischer Wandel, Fachkräfte­mangel und der damit verbundene Wettbewerb um die besten Köpfe be­trifft aber nicht nur die Großen. Ganz im Gegenteil. Gerade in Konkurrenz zu ihnen sind die weniger bekannten, teils regional abgelegenen klein- und mittel­ständischen Unternehmen um ein Viel­faches mehr von dieser Problematik betroffen. Doch auch sie können sich die Vorteile einer Mitarbeiterbeteili­gung zunutze machen. Denn ein Betei­ligungsprogramm ist nicht nur von den großen AGs in Form von Belegschafts­aktien durchführbar. Es gibt eine Viel­zahl von alternativen Beteiligungsfor­men, mit denen auch mittelständische Unternehmen, die in den allerwenigs­ten Fällen als AGs firmieren, ihre Mit-arbeiter am Kapital des Unternehmens beteiligen können.

Die verbreitetsten Formen stellen dabei stille Beteiligungen und Genussrechte dar, die von rund 3.500 Unternehmen in Deutschland praktiziert werden.

Beide Formen eignen sich besonders für den Mittelstand, da sie rechtsform­unabhängig eingeführt werden können, weder notariell beglaubigt noch ins Handelsregister eingetragen werden müssen und kaum Formvorschriften bei der Vertragsgestaltung unterliegen.

 

Mezzanine Beteiligung

Stille Beteiligungen und Genussrechte stellen eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapitalbeteiligungen dar. Da sie zwar zunächst als Fremdkapital angesehen werden, unter bestimmten Voraussetzungen aber als wirtschaft­liches und bilanzielles Eigenkapital gewertet werden können, werden sie auch als mezzanine Beteiligungsfor­men bezeichnet. Ob eine mezzanine Beteiligung eher dem Fremd- oder dem Eigenkapital zugeordnet wird, hängt dabei unter anderem davon ab, ob sie dem Unternehmen langfristig zur Ver­fügung steht und ob die Kapitalgeber am Verlust beteiligt sind.

Diese Ausgestaltung entkräftet die Sorge vieler Mittelständler, durch eine Mitarbeiter-beteiligung die Kontrolle in ihrem Unternehmen zu verlieren.

Denn bei mezzaninen Beteiligungen handelt es sich nur um ein schuld­rechtliches Verhältnis. Das bedeutet, dass im Gegensatz zu gesellschafts­rechtlichen Beteiligungen der wesent­liche Einfluss beim Unternehmen verbleibt und die beteiligten Mitarbeiter nur Informationsrechte, aber keine Mitspracherechte erhalten.

 

Das Beteiligungskapital der Mitar­beiter wird dann in aller Regel erfolgs­abhängig verzinst und nach Ablauf einer Festlegungsfrist zum Nennwert zurückgezahlt. Die Ausschüttungen oder die Zinsen auf die Beteiligungen werden dabei als Betriebsausgaben ge­wertet. Für die beteiligten Mitarbeiter zählen die Zinsen zu den Einnahmen aus Kapitalvermögen, die der Abgel­tungsteuer unterliegen, wenn diese an definierte betriebswirtschaftliche Kenngrößen gebunden sind.

 

Staatliche Förderung

Die Bedeutung der Mitarbeiterbetei­ligung wird auch durch den Staat mit einer eigenen Fördermöglichkeit gewür­digt. Durch das Mitarbeiterkapitalbetei­ligungsgesetz besteht für Unternehmen die Möglichkeit, ihren Mitarbeitern An­teile in einem Wert von bis zu 360 Euro pro Jahr steuer- und sozialabgabenfrei zu überlassen. Voraussetzung dafür ist gemäß § 3 Nr.39 EStG, dass ein entspre­chendes Angebot allen Mitarbeitern, die länger als ein Jahr beschäftigt sind, of­fensteht und die Überlassung nicht mit arbeits- oder tarifrechtlichen Ansprü­chen der Mitarbeiter verrechnet wird.

Darüber hinaus hat jeder Mitarbeiter im Rahmen des Fünften Vermögensbil­dungsgesetzes die Möglichkeit, bis zu 400 Euro pro Jahr als vermögenswirk­same Leistungen im eigenen Unterneh­men in Form einer Kapitalbeteiligung anzulegen. Mitarbeitern in den Einkom­mensgrenzen von 20.000 Euro zu ver­steuerndem Einkommen für Ledige und 40.000 Euro für Verheiratete gewährt der Staat für diese Anlageform eine Ar­beitnehmersparzulage von 20 Prozent. (Angaben für Deutschland, nicht Österreich)

 

FAZIT

Im Gegenteil zu der weitverbreiteten Meinung, dass ein Beteiligungsprogramm nur von den großen AGs durchführbar ist, zeigt sich, dass sich die Mitarbeiterbeteiligung insbeson­dere für mittelständische Unterneh­men eignet. Vor allem mezzanine Be­teiligungen sind mit verhältnismäßig geringem Aufwand einführbar. Sie unterliegen kaum Formvorschriften und keinen gesellschaftsrechtlichen Formalien. Auch hinsichtlich der Ver­waltung sind sie weitaus weniger auf­wendig. Im Grunde genommen können die Programme mit „Bordmitteln" dar­gestellt werden, etwa mit einer Excel-Tabelle oder durch die Integration in ein bestehendes Personalverwaltungs­system. Verbunden mit der staatlichen Fördermöglichkeit bieten mezzanine Beteiligungen darüber hinaus inte­ressante Finanzierungsalternativen für die Unternehmen, wenn ihnen das Beteiligungskapital der Mitarbeiter als Eigenkapital zur Verfügung steht.

 

 

 Quelle: Venture Capital Magazin, Feb 2015

 

 

Wie sich Start-ups auf die Ansprache von Investoren vorbereiten sollten

Natürlich seid Ihr als Gründer von Euch und Eurer Idee so überzeugt, dass Ihr Euch nicht vorstellen könnt, dass ein Investor nicht in Euer Unternehmen investiert. Ich empfehle Euch an dieser Stelle: Seid selbstkritisch! Prüft Eure Idee nach allen Seiten hin und stellt sie zur Diskussion.

Wie prüfe ich meine Idee nach allen Selten hin?", wer­det Ihr Euch nun fragen. Dabei ist die Antwort so ein­fach. Schreibt einen Businessplan. Damit habt Ihr eine Orientierungshilfe, wie Ihr Eure Idee ins Laufen bringen möchtet, beleuchtet diese von allen Seiten, deckt dabei sogar Wissenslücken oder Engpässe auf und habt später immer ein Kontrollinstrument zur Hand. Spätestens zur Ansprache von Investoren braucht Ihr den Businessplan sowieso. Schreibt ihn frühzeitig, plant ausreichend Zeit dafür ein und seht ihn als Entwicklungsinstrument für Eure Idee an. Er bringt Euch und Eurer Idee Struktur und Systematik, Ordnung und Überblick und macht die Idee greifbar und verständlich. Ihr seid damit gezwungen, die Idee ohne technische Details auf den Punkt zu bringen, auch für Fachfremde nachvollziehbar und attraktiv zu machen.

Ihr stellt damit den Nutzen Eurer Idee für den Endverbraucher heraus und beantwortet gleichzeitig die Fragen des Investors, was Ihr tut und wie Ihr damit Geld verdient. Für den Investor ist an dieser Stelle die Realisierbarkeit, die Innovationskraft und eine damit einhergehen­de USP, als dauerhafter Wettbewerbsvorteil, von zentralem Interesse. Denn letzten Endes geht es darum, mit Eurer Idee Geld zu verdienen. Daher ist es extrem wichtig, umfassende Recherche zu betreiben und den Businessplan auf ein sicheres Fundament zu stellen.

Werte schaffen

Zunächst macht Ihr Euer Unternehmen interessant, indem Ihr ihm Wert gebt. Das bedeutet im Klartext: Prüft, ob Ihr Eure Idee rechtlich schützen lassen könnt. Ist dies geschehen, könnt Ihr die rechtlich geschützte Idee in die Bewertung Eurer Firma mit einfließen lassen. Bleibt bei der Bewertung Eures Unterneh­mens jedoch realistisch! Nur weil Ihr Eure Idee liebt, heißt es noch lange nicht, dass sich der Firmenwert proportional zu Eurer Liebe dafür entwickelt. Ihr müsst vielmehr den Markt, Eure Wettbewerber und potenzielle Kunden kennen sowie strategi­sche Partner und Vertriebsmöglichkeiten verifizieren. Investo­ren wollen klare Aussagen über die Chancen und Nachhaltigkeit ihrer Investition, weswegen es sich immer rechnet, Zeit in Recherche und Markteinschätzungen zu investieren. Macht Euch bereits Im Vorfeld Gedanken darüber, wie Euer Unternehmen und Euer Produkt in einigen Jahren aussehen könnten, formuliert Meilensteine.

International denken

Euer Erfolg muss nicht unbedingt in Deutschland liegen. Internationale Vermarktungsmöglichkeiten bieten enorme Absatzchancen, weswegen sich eventuelle kulturelle oder ethnische Vermarktungshindernisse bereits zum jetzigen Zeitpunkt in Euren Überlegungen wiederfinden sollten. Je größer die Zielgruppe für Euer Produkt oder Eure Dienstleistung, desto größer sind spätere Vermarktungserfolge. Zeigt die Potenziale Eures Unternehmens auf. Je klarer die Zielvorstellungen, desto besser wird Euer Ergebnis sein. Es ist immer vorteilhaft, bereits erste Erfahrungen in der Vermarktung aufzeigen zu können und sich Gedanken dazu gemacht zu haben, wie man neue Märkte erschließt. Zur Untermauerung und Bestätigung der von Euch aufgestellten Behauptungen Ist die Benennung von Netzwerkpartnern bei der Umsetzung extrem hilfreich. Auch wenn Ihr zum jetzigen Zeitpunkt selbst noch nicht in der Lage seid, Eure Produkte und Dienstleistungen breit zu vermarkten, so könnt Ihr Euch dennoch bereits jetzt vorstellen und beschreiben, mit wessen Hilfe Eure Ziele zu realisieren sind. Habt bei diesen Überlegungen immer auch Euren Exit Im Kopf. Wer könnte ein potenzieller Käufer Eures Unternehmens sein und bis wann könnte der Exit realisiert werden? Das ist das zentrale Interesse Eures Investors! Aufgrund dieser gut recherchierten Annahmen und gegebenenfalls eines Vergleiches mit einem Wettbewerber könnt Ihr die Entwicklung Eures Unternehmens und dessen Wertentwicklung abschätzen. Dabei solltet Ihr darauf achten, dass diese Annahme nachvollziehbar ist und die verwendeten Zahlen belastbar sind. Denkt daran, dass Ihr auch an dieser Stelle die Plausibilität und damit auch finanzielle Realisierung Eures Vorhabens untermauert.

Belastbarkeit der Zahlen

Dazu macht Ihr Euch zunächst Gedanken über die aktuelle Situation hinsichtlich Eurer Kosten, Eures Umsatzes und Eures Gewinns. Schätzt danach ab, wie hoch eine Investition sein muss, um Eure Idee dahin zu bringen, wo Ihr möchtet. Von der Immobilie über die Geschäftsausstattung bis hin zum Wareneinkauf müsst Ihr alles in Eure Überlegungen miteinbeziehen, um Euren Kapital- und Liquiditätsbedarf so genau wie möglich anzugeben. Bereitet Euch in diesem Zusammenhang auf Rückfragen des Investors vor und seid gewappnet, alle kommunizierten Zahlen herleiten und detailliert begründen zu können. Wenn Ihr Eure Idee nun nach allen Seiten hin hinterfragt, begutachtet und festgezurrt habt, seid Ihr schon einmal gut vorbereitet, um auch mit einem Investor darüber zu sprechen. Denn Ihr kennt nun alle Fakten bis ins kleinste Detail und seid so in der Lage, sämtliche Fragen zu beantworten und alle Details herzuleiten. Überlegt Euch auch, welche Fragen noch vonseiten des Investors gestellt werden könnten.

Präsentation beim Investor

Bevor Ihr allerdings in den Genuss kommt, Fragen zu Eurer Idee überhaupt beantworten zu dürfen, müsst Ihr als Personen und Geschäftsmänner oder Geschäftsfrauen für den Investor interessant sein. Das bedeutet, Ihr müsst es schaffen, innerhalb der ersten zehn bis 30 Sekunden seine gesamte Aufmerksamkeit zu bekommen. Legt Eure ganze Begeisterung für Eure Idee in die Ansprache und übertragt Eure Leidenschaft für Euer Geschäftsmodell In die Präsentation. Macht Eure Vision für den potenziellen Investor sichtbar. Wenn Ihr das geschafft habt, könnt Ihr einen Überblick über Euer Geschäftsmodell geben und Euer Wissen und Können unter Beweis stellen, indem Ihr auch hier auf die Punkte Produkt, Markt und Wettbewerb, strategische Partner und Finanzplanung eingeht. Plant einen Spannungsbogen In Eure Präsentation ein. Steigert die Spannung bis zum Ende hin. Passt aber auf, dass die Aussagen Eurer Präsentation aufeinander aufbauen und zusammenpassen. Liefert in der Präsentation bereits Lösungen für mögliche Barrieren und beeindruckt mit der Weitsichtigkeit Eurer Planung sowie Eurem Realismus, mit dem Ihr aus der Idee ein Geschäft machen wollt.

Fazit

Übertreibt also nicht und macht auch keine unglaubhaften Aussagen - Ihr habt für Euren Businessplan alles genau und exakt recherchiert, haltet Euch auch an diese Aussagen, denn sie bilden die kaufmännische Grundlage Eurer Ansprache! Vor allem was den Wert Eures Unternehmens angeht. Gebt dem Investor mit Eurem selbstsicheren Auftreten das Gefühl, dass Ihr in der Lage seid, das Unternehmen zu führen, und auch in Krisenzeiten wisst, was zu tun ist. Daher empfiehlt es sich, zu zweit zu präsentieren. So könnt Ihr Bedenken seitens des Investors, was ein mögliches Schlüsselpersonenrisiko betrifft, von vornherein beiseiteschaffen. Tretet dem potenziellen Investor mit Respekt gegenüber. Da Ihr noch ganz am Anfang steht, hat er viel mehr Wissen als Ihr, wie man ein Geschäft entwickelt und voranbringt. Nehmt es an. Seine Einwände stehen nicht zur Diskussion, wenn Ihr diese nicht basierend auf eindeutigen und klaren Fakten widerlegen könnt. Und schließlich wollt Ihr ja sein Geld. Gebt ihm also das Gefühl, damit auch respektvoll umzugehen.

Quelle: Venture Capital Magazin Start-up 2015

 

 

Crowd, Business Angels, Family Offices, Venture Capital Gesellschaften, Fördergelder - Zu wem passt was?

Rund 10 Mrd. EUR haben Gründer im vergangenen Jahr in ihre Geschäftsidee gesteckt, so der neueste KfW-Gründungsmonitor. Inzwischen ist der Anteil an Fremdkapital auf über 50% gestiegen. Das deutet auf eine Professionalisierung hin - immer mehr Gründer betreiben ihr Geschäftsmodell als Vollerwerb. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass es etwas leichter geworden ist, an eine solide Finanzierung zu kommen. Fördergelder, Venture Capital, Business Angels, Family Offices - die Möglichkeiten sind vielfältig. Ein Überblick.

Nach den Börsengängen von Rocket Internet und Zalando ging ein Raunen durch die deutsche Start-up-Szene. Zwar wurden einige Erwartungen enttäuscht, die Kurse schossen nicht so rasant in die Höhe, wie manch einer gehofft hatte, aber die Erfolgsgeschichte dieser Berliner Gewächse zeigt, dass In Deutschland durchaus Geld fließen kann Rocket Internet hatte in diesem Jahr bereits vor dem Börsengang 700 Mio. EUR eingesammelt. Insgesamt hat die Start-up-Schmiede der Samwer-Brüder nun 2,3 Mrd. EUR frisches Kapital zur Verfügung. Roger Bendisch von der IBB Beteiligungsgesellschaft sieht darin ein positives Signal für die Venture Capital-Branche. Auch wenn es nach wie vor Verbesserungsbedarf gebe. „Eine Anschlussfinanzierung hinzubekommen, ist nach wie vor sehr schwer", so Bendisch. „Es ist aber inzwischen einigen Firmen aus unserem Portfolio geglückt, auch internationale Investo­ren für sich zu gewinnen." So hat das Modeunternehmen Scarosso jüngst 11.Millionen USD unter anderem vom britischen Investor Neo eingesammelt - der nächste Schritt ist nun internationales Wachstum. „Wir müssen jetzt gucken, ob es In Zukunft zu großen Exits kommt." Er setzt große Hoffnungen in eine Bundesratsinitiative, angeführt vom Land Berlin. „Wir wünschen uns endlich ein Gesetz, das die Besteuerung von Venture Capital klar regelt, so Bendisch. „ Anleger aus dem In- und Ausland brauchen Sicherheit. Im Moment hängt es immer vom einzelnen Finanzbeamten ab. Wenn man Pech hat, werden die Erträge aus Investitionen besteuert“.

Tipp 1: Seid wählerisch.

Alexander Stoeckel, Partner bei der Schweizer Venture Capital-Gesellschaft b-to-v, wünscht sich mehr Konkurrenz in der Ventore Capital-Branche. Denn die belebt ja bekanntlich das Geschäft - auch das der Investoren. Auch wenn es schwer sei, an genügend Kapital zu kommen solle man sich gezielt den richtigen Investor für sein Projekt aussuchen. „Man muss sich immer überlegen, was bringt meinem Unternehmen etwas", so Stoeckel. „Wenn ich zum Beispiel eigene Defizite in manchen Bereichen habe oder mehrere Finanzierungsrunden brauche, muss ich auch bedenken, wer mich als langfristiger Partner unterstützen kann." Im Moment, so seine Beobachtung, streiten sich die Investoren immer mehr um die besten Gründer. Für die Frühphase der Gründung, etwa wenn das Produkt nur auf dem Papier existiert, empfiehlt er Business Angels und Family Offices. „In dieser Phase fallen viele erst mal durchs Venture Capital ­Raster", so Stoockel. Wer einen Business Angel ins Boot hole, solle sich aber dessen bewusst sein, dass dieser mitunter eine größere Nähe zum Gründer sticht. Er wolle sein Wissen gerne weitergeben. „Nach außen hin wirkt es vielleicht so, als ob sich Venture Capital-Investoren stark einmischen würden.

Dabei wollen die meist nur ein monatliches Reporting. Bei einem Business Angel kann es passieren, dass er mehrmals pro Woche anruft." Allerdings mit Grund: Die meisten Business Angels investieren dort, wo sie sich gut auskennen. Stoeckel holt deshalb bei vielen Investments einen erfahrenen Co-Investor aus dem b-to-v-Netzwerk dazu. Die Beurteilung eines Start-ups durch einen ehemaligen Unternehmer ist uns einiges wert." Dabei kann er auf rund 200 Business Angels zurückgreifen, die aktive Investoren und Mitglieder bei b-to-v sind.

Tipp 2: Profitiert von der Erfahrung anderer.

Auch die IBB Beteiligungsgesellschaft holt stets Co-Investoren mit ins Boot. Eine wichtige Rolle kommt auch hier Business Angels und Family Offices zu, insbesondere in der ersten Phase. Es hat sich in Deutschland ein neues Ökosystem gebildet", so Bendisch. „Leute, die bereits erfolgreiche Exits hatten wie zum Beispiel die Heilemann-Brüder, reinvestieren ihr Vermögen. Sie wollen das mit Start-ups verdiente Geld in den Kreislauf zurückbringen." Family Offices als Risikokapitalgeber - ein in Deutschland relativ neues Modell. Reiche Familien und frühere Unternehmer lassen ihr Vermögen von exklusiven Büros steuern. Hanns­peter Riedel ist Partner der Sozietät Peters. Schönberger & Partner, München, die schwerpunktmäßig eigentümergeführte Unternehmen, wohlhabende Privatpersonen und Family Offices, aber auch Venture Capital-Gesellschaften berät: „Heute sind immer mehr Unternehmerfamilien zu risikoaffineren Investitionen im Gründersektor bereit. Das hängt stark mit einem Generationenwechsel zusammen." Allerdings bewegen sich diese Investitionen Riedels Erfahrung nach eher im kleineren sechsstelligen Bereich. Zurzeit beraten wir drei Family Offices, die in das Start-UI) eines sehr erfahrenen Ingenieurs investieren wollen, das eine neue Technologie zur Speicherung von Energie entwickelt hat", berichtet Riedel. „Für die Familien ist es meist wichtig, dass es sich um ein greifbares Projekt handelt, das vielleicht auch noch das Potenzial hat, die Welt ein bisschen zu verbessern." Der Vorteil des Modells sei, so Riedel, dass es keinen großen Exit-Druck gebe. ‚.Family Offices wollen sich meist längerfristig engagieren. Natürlich gibt es auch hier bestimmte Milestones, aber man ist nicht in das enge Korsett zum Beispiel eines Venture Capital eingezwängt. Es gibt individuelle Abreden."

Tipp 3: Lasst kein Geld am Wegesrand liegen.

Auch Peter Leitenmayer von der LfA, Förderbank Bayern hält die Finanzierung der frühen Phase für die höchste Hürde. „Da sind die Risiken eben am größten. Und Investoren versuchen, die Risiken zu minimieren." Bootstrapping, also die Finanzierung des Unternehmens aus eigenen Mitteln, sei oft nicht machbar: „Die wenigsten können mit eigenen Mitteln wachsen. Deshalb sollte man so früh wie möglich nach einer Finanzierung Ausschau halten." Und noch aus einem anderen Grund rät er zu einer Mischfinanzierung: „Wenn ich noch mehrere Finanzierungsrunden brauche, ist es gut, selbst noch ein bisschen Eigenkapital übrig zu haben." Staatliche Fördergelder können helfen, gerade die erste kritische Phase der Gründung zu finanzieren. „Auch wenn der Förderantrag einen gewissen Aufwand bedeutet, bietet die Förderung viele Vorteile", so Leitenmayer. Er rät Gründern daher, sich immer um Fördermöglichkeiten zu bemühen. Bürgschaften und andere Risikoübernahmen etwa helfen den Gründern, trotz geringer banküblicher Sicherheiten an einen Kredit zu kommen. Und Förderkredite bieten äußerst niedrige Zinssätze, tilgungsfreie Anlaufjahre und passende Laufzeiten. Für eigenkapitalintensive Start-ups aus der Technologiebranche stehen etwa die bundesweite 300 Mio. EUR schwere High-Tech Gründerfonds oder die Fonds von regionalen Anbietern wie Bayern Kapital bereit. Daneben engagieren sich staatliche Stellen auch in der Beratung: In Bayern zum Beispiel gibt es eine zentrale Anlaufstelle, das Innovations- und Technologiezentrum Bayern, wo Gründer sich beraten lassen können. Gemeinsam wird dann das passende Förderprogramm ausgewählt. „Staatliche Zuschüsse bekomme ich allerdings nur, wenn ich bereits eine solide Finanzierung vorweisen kann", so Leitenmayer. „Und da sich viele Venture Capital-Investoren aus der Seed-Phase zurückgezogen haben, kommt wiederum den Business Angels und den staatlichen Eigenkapitalgebern eine große Bedeutung zu." In Bayern wird daher das Business Angel-Netzwerk weiter ausgebaut. Auch der staatliche Zuschuss für Business Angels trägt der wachsenden Bedeutung privater Investoren Rechnung.

Tipp 4: Von der Crowd profitiert nur der erfahrene Gründer.

Die neueste Möglichkeit für Gründer, an Geld zu kommen, ist das Crowdinvesting. „Ob man das probieren sollte, hängt davon ab, was man für ein Geschäftsmodell hat. Wenn man überschaubaren Mittelbedarf hat, kann man den Weg vielleicht gehen", so Leitenmayer. „Aber: Wenn ich noch mal eine weitere Finanzierungsrunde brauche, wird's schwierig. Beim Crowdinivesting hat man so viele Mitgesellschafter, davon lassen viele Investoren lieber die Finger.' Nach der Prokon-Pleite sieht die Bundesregierung auch beim Crowdinvesting Handlungsbedarf. Der Verbraucher soll geschützt werden. Das Problem: Bisher gilt bei den Plattformen keinerlei Prospektpflicht. Das soll sich ändern. Nur bis zu einer gewissen Summe soll weiter unreguliert investiert werden können. „Es gibt da regelrechte Horrorbeispiele aus den USA", sagt Bendisch. „Da haben ganz schlechte Start-ups - zum Teil gab's die in Wirklichkeit nicht mal- riesige Summen eingesammelt. Da wurden Verbraucher systematisch übers Ohr gehauen.' Nichtsdestotrotz hält er Crowd­investing für eine gute Möglichkeit für Start-ups, hinter denen erfahrene Gründer stecken, die sinnvoll mit dem Geld umgehen können. Denn die Unterstützung durch einen erfahrenen Investor ist eben unbezahlbar.

Quelle: Start-up 2015 / VentureCapital Magazin

 

 

Wie Start-ups in der Alpenrepublik gefördert werden

Für Venture Capital-Investitionen war es in Europa kein schlechtes Jahr: Unter dem Strich summierten sie sich im Jahr 2013 nach Erhebungen der European Private Equity & Venture Capital Association (EVCA) auf etwa 3,4 Mrd. EUR, ein Plus von 5%. Über 3.000 junge Unternehmen erhielten Finanzierungsmittel - dabei entfielen 55% der investierten Mittel auf Start-ups. Das Fundraising für den Bereich Venture Capital blieb mit einer Summe von 4 Mrd. EUR auf einem stabilen Niveau, nach 3,9 Mrd. EUR im Vorjahr. Staatliche Wirtschaftsförderungen trugen der EVCA zufolge davon 38% - das entspricht Kapitalzusagen von rund 1,5 Mrd. EUR.

Die Rechnung der Wirtschaftsförderungsagenturen ist einfach: Junge, innovative Unternehmen schaffen mit ihren frischen Ideen und Geschäftsmodellen Wachstum und Arbeitsplätze. Start-ups zu unterstützen - das gilt vor allem bei Finanzierungsthemen, rechtlichen und steuerlichen Fragestellungen und der Standortsuche - heißt, die eigene Wirtschaft zu stärken. Auch in Österreich stehen Unternehmensgründern hierfür verschiedene staatliche Gesellschaften zur Seite, etwa die Austrian Business Agency (ABA) und die Förderbank Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws).

Die Gründerszene in Österreich ist derweil spürbar aktiv: Im Jahr 2013 stieg die Zahl der Unternehmensneugründungen der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) zufolge um 6,1% auf 28.565 - 1.640 mehr als noch im Jahr zuvor. In Deutschland gingen im gleichen Zeitraum die Gewerbeanmeldungen leicht von 757.371 auf 755.048 zurück.

Gleichzeitig sind österreichische KMU attraktiv für ausländische Wachstumskapitalgeber: Das Investitionsvolumen in diese Unternehmensgruppe durch ausländische Investoren stieg im Jahr 2013 um 146%. Auch bei österreichischen Investoren liegen die heimischen Start-ups hoch im Kurs, mit knapp 32% machte der Bereich Venture Capital den größten Teil der Private Equity Investitionen in der Alpenrepublik insgesamt aus.

Attraktives Gründerklima und Förderungsmöglichkeiten

Unternehmen, die mit einer Ansiedlung in Österreich liebäugeln, können von den wirtschaftlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen profitieren. Neben gut ausgebildeten Fachkräften, einem einheitlichen Körperschaftssteuersatz von 25% und dem Prinzip der Gruppenbesteuerung besticht zudem die zentrale Lage im Herzen Europas. Österreich dient durch seine räumliche und kulturelle Nähe als Hub für die Expansion in Richtung Mittel- und Osteuropa. Mit Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Höhe von rund 2,8% des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2013 das entspricht etwa 9 Mrd. EUR, die zu ca. 40% vom Staat kommen gehört Österreich zu den lnnovations Spitzenreitern Europas. Bis 2020 soll die F&E-Quote auf 3,76% erhöht werden. Dennoch: Insbesondere die Finanzierung stellt für viele Start-ups ein Problem dar. Das hohe Risiko schreckt Banken häufig bei der Kreditvergabe ab. Deshalb setzt der Staat auf günstige Fördermöglichkeiten für junge Unternehmer. Die Förderbank der Republik Österreich, Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), unterstützt derzeit rund 10% der österreichischen Start-ups. Um weitere Wachstumsimpulse zu schaffen, stellte die aws mit ihrer Start-up Offensive 2014 Finan­zierungsmittel in Höhe von 100 Mio. EUR für Gründer zur Verfügung. Die Mittel stehen neben der Finanzierung von Gründungen insbesondere für Beratungsleistungen und die Etablierung einer Start-up-Community bereit. Fachliche Unterstützung - Welche rechtlichen und steuerlichen Aspekte muss ich bei der Unternehmensgründung beachten? Wo soll ich mich niederlassen? Wie rekrutiere ich Personal? Erhalten Gründer über das Start-up Center der aws. Darin steckt großes Potenzial, denn Umfragen haben ergeben, dass etwa die Hälfte der Unternehmensgründer noch nie eine entsprechende Lehr- oder Beratungsveranstaltung besucht hat. Dabei besteht insbesondere bei Erstgründern ein Bedarf an qualitativ hochwertiger Beratung.

Kontakte und staatliche Unterstützung

Gleichzeitig versucht die aws gezielt, junge Unternehmer mit ihresgleichen sowie mit Investoren und möglichen Geschäftspartnern zusammenzubringen. Das geschieht über verschiedene Veranstaltungsreihen - z.B. das Pioneers-Festival und den Business Angel Day.

Mit steigender Zahl an guten Kontakten wird die Erfolgswahrscheinlichkeit junger Unternehmen deutlich erhöht, für die insbesondere der Markteintritt eine gefährliche Hürde darstellt. Mit dem Leitprogramm für Forschung und Innovation 2013-2018 hat das österreichische Wirtschaftsministerium bereits im August 2013 ein Förderprogramm für bis zu 180 innovationsgetriebene Start-ups aus dem Technologiebereich beschlossen. Des Weiteren können junge Tech-Unternehmen über die Start-up-Förderung der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) unter bestimmten Voraussetzungen attraktive Projektfinanzierungen erhalten. Die FFG beteiligt sich mit bis zu 70% an den entsprechenden Finanzierungen, die erst nach fünf Jahren getilgt werden müssen. Die Unternehmen dürfen dafür z.B. nicht älter als sechs Jahre sein und müssen eine Bilanzsumme von weniger als 43 Mio. EUR sowie einen Umsatz von weniger als 50 Mio. EUR vorweisen.

Gründungsprivileg und „zweite Chance"

Bei der Start-up-Finanzierung spielt die Wahl der Rechtsform eine wichtige Rolle. Während bei Personengesellschaften der Eigentümer mit seinem Privatvermögen haftet, ist die Haftung bei Kapitalgesellschaften auf die Stammeinlage beschränkt. Bis Mitte 2013 mussten GmbH-Gründer In Österreich hierfür mindestens 35.000 EUR aufbringen viel Geld, zumal der europäische Durchschnitt bei 8.000 EUR liegt. Um Gründungsanreize zu schaffen, wurde dieser Betrag auf 10.000 EUR gesenkt. Für die Aufstockung des Stammkapitals auf die gesetzlich geforderten 35.000 EUR haben Gründer daraufhin zehn Jahre Zeit. Dies ist attraktiv etwa im Vergleich mit Deutschland: Dort müssen GmbH-Gründer eingangs 25.000 EUR Stammkapital einbringen.

Fazit

Mit diesem sogenannten „Gründerprivileg“ sollen die Hürden bei der Unternehmensgründung gesenkt werden, ohne den Gründer direkt vor den finanziellen Abgrund zu stellen. Denn von neuen Ideen lebt die Wirtschaft - doch nicht jede Geschäftsidee schafft es schließlich zur Marktreife. Beispielsweise war in Deutschland im Jahr 2013 jedes vierte Insolvente Unternehmen noch keine zwei Jahre alt. Bei den in Österreich geförderten Unternehmen schafften es 2013 zwar 90%, marktfähige Prototypen zu entwickeln, 50% scheiterten jedoch am erfolgreichen Markteintritt. Was in US amerikanischen Raum als ganz normal gilt, wird in Europa häufig noch stigmatisiert. Um dem entgegenzutreten, ermöglicht Österreich vormals gescheiterten" Unternehmern einen vereinfachten Zugang zu staatlichen Fördertöpfen, wenn sie mit einem neuen Start-up an dein Markt gehen wollen. Auch Prominente wie Microsoft-Gründer Hill Gates und der Erfinder von Paypal, Max Levchin, mussten zunächst Geschäfts­ideen begraben, bevor ihr großer Durchbruch kam. Das verfolgte Ziel all dieser Maßnahmen Ist indes klar: Österreich im innereuropäischen Vergleich als zunehmend innovations- und gründungsfreundliches Land zu etablieren und auszubauen.

Quelle: Venture Capital Magazin „Standorte & Regionen 2014“

 

 

Mezzanine vor neuer Zukunft

Gibt es noch Unternehmer, die im aktuellen Niedrigzinsumfeld mehr als ein paar Prozent für neu benötigtes Kapital zahlen? Ja, die gibt es - und es sind kluge Strategen. Sie entscheiden sich für Mezzanine-Kapital, um einen außergewöhnlichen Finanzierungsanlass zu bewältigen. Strategisch klug ist das, weil diese Unternehmer damit die laufende Finanzierungsfähigkeit ihres Betriebs erhalten, meist sogar verbessern.

Denn Mezzanine-Kapital belastet die Bonität nicht. Für den so wichtigen laufenden Kapitalbedarf stehen dem Unternehmer weiterhin alle Finanzierungsoptionen offen. Wer dagegen auf günstige Kredite setzt, reduziert seinen Bewegungsspielraum. Einen hohen Finanzierungsbedarf außer der Reihe weitgehend mit Fremdkapital abzudecken, ist daher zwar kurzfristig billiger, aber auch riskanter als eine Mezzanine-Lösung. Dieser Vorteil sowie etliche andere Qualitäten der Mezzanine Finanzierung werden vom Mittelstand durchaus geschätzt. Nach dem Eigenkapital, dem Bankkredit und dem Leasing gehört das Mezzanine-Kapital einer Studie von Ernst & Young von 2013 zufolge zu den wichtigsten Finanzierungsquellen im gehobenen Mittelstand. Mit steigender Tendenz: Hatte sich 2005 nur 1% der Unternehmen für Mezzanine entschieden, nutzten 2013 schon 17% dieses Finanzierungsinstrument. Die Studie belegt, dass der Mittelstand die Eigenkapitalfinanzierung immer mehr bevorzugt. Der Bankkredit erhält zunehmend Konkurrenz. Mezzanine ist allerdings nicht für jedes Unternehmen geeignet. Ein Mezzanine Geber ist in hohem Maße vom zukünftigen Cashflow des Unternehmens abhängig. Läuft es schlecht, wird der Investor wie ein Gesellschafter in Mitleidenschaft gezogen - bis zum Totalverlust der Mezzanine-Mittel. Wenn es gut läuft, profitiert er dagegen - allerdings begrenzt in Höhe des vertraglich fixierten Entgeltes. Profitabilität sowie hinreichend hohe und wachsende Cashflows bis zur Rückführung des Kapitals sind Voraussetzungen, um die nötige risikoadäquate Verzinsung des Mezzanine-Darlehens erreichen zu können. In erster Linie kommen deshalb etablierte Unternehmen mit stabiler Ertragskraft und einem nachhaltigen Geschäftsmodell für diese Finanzierungsform infrage.

Mit Mezzanine finanziert

Die wesentlichen Finanzierungsanlässe, bei denen Mezzanine heute zum Einsatz kommt, sind zeitlich klar begrenzte Vorhaben zum Unternehmenswachstum sowie Wechsel im Gesellschafterkreis. Hier bietet Mezzanine dank seiner Stellung als wirtschaftliches Eigenkapital, das ohne Sicherheiten, ohne Veränderung der Gesellschafterstruktur und mit begrenzten Zustimmungsrechten des Investors gewährt wird, eine Reihe von Vorteilen, die keine andere Finanzierungsform vorweisen kann. Bei der Wachstumsfinanzierung handelt es sich häufig um Sprunginvestitionen mit hohem temporärem Kapitalbedarf. Dieser kann vorn Unternehmer auch bei ausreichenden Sicherheiten immer nur zum Teil durch Fremdkapitaldarlehen finanziert werden. Mezzanine schließt hier die Lücke, die nach dem Einsatz von Fremd-und Eigenkapital oft noch bleibt. Üblich Ist aber auch, dass Unternehmer den Mezzanine-Anteil als langfristigen Finanzierungsbaustein mit einer Laufzeit von fünf bis acht Jahren dazu nutzen, die Passivseite in ihrer Struktur zu optimieren. In diesem Fall profitiert das Unternehmen davon, dass sich trotz einer kapitalintensiven Investition das wirtschaftliche Eigenkapital und damit die Risikotragfähigkeit erhöhen. Der Unternehmer kann seinen Spielraum, für kurzfristige Finanzierungen wie gewohnt seine Hausbank oder einen anderen Darlehensgeber in Anspruch zu nehmen, nicht nur erhalten, sondern meist noch ausbauen. Bei Kreditinstituten, Kunden und Lieferanten ist die Tatsache, dass sich ein Mezzanine-Geber im Unternehmen engagiert, ein Vertrauenssignal des Investors und damit ein Qualitätsmerkmal. In der Regel verbessern sich die Konditionen, zu denen das Unternehmen Fremdkapital aufnehmen kann, mit dem Engagement eines Mezzanine-Finanziers deutlich. Das wiederum wirkt sich positiv auf die Kosten des Mezzanine-Kapitals aus und kann diese teilweise kompensieren.

Flexibles Finanzierungsinstrument

Veränderungen im Gesellschafterkreis sind ein weiterer wichtiger Finanzierungsanlass. Jeder Unternehmer muss irgendwann seine Nachfolge planen. Falls der Betrieb nicht innerhalb der Familie weitergegeben werden kann, entscheiden sich Eigentümer eher dafür, ihre Anteile an vorhandene Mitgesellschafter oder an die bereits am Unternehmen beteiligten Führungskräfte zu verkaufen. Eine Fremdkapitalfinanzierung scheitert in den genannten Anlässen vielfach an den zu geringen Sicherheiten, die das Unternehmen für eine solche Transaktion bieten kann. Mezzanine bietet hier einen Ausweg und wird bevorzugt von Gesellschaftern eingesetzt, die in der Regel schon wesentliche Anteile am Unternehmen halten und denen es wichtig ist, die Kontrolle über ihre Firma zu behalten. Zwar wird der Mezzanine Geber das Unternehmen über die Laufzeit der Finanzierung begleiten, das heißt, sich regelmäßig über die wirtschaftliche Entwicklung informieren, strategische Überlegungen gemeinsam abstimmen und die Geschäftsführung auch mit Kontakten und Know-how unterstützen. Die Geschäftsführungsbefugnis bleibt jedoch bei den Verantwortlichen des Unternehmens. Wie vielfältig sich Mezzanine nutzen lässt, zeigt das Beispiel des Mittelständlers Vectron Systems AG. Der Spezialist für Kassensysteme und Kommunikationssoftware erzielt bis zu 25 Mio. EUR Umsatz pro Jahr und finanziert sich nun schon zum dritten Mal über Genussrechte. Auf einen mit Mezzanine unterstützten Management Buyout Anfang 2006 folgte wenige Jahre später eine Wachstumsfinanzierung mit weiterem Genussrechtskapital. Aktuell wurde das Genussrechtskapital als Element der strategischen Finanzierungsstärke erneut hereingenommen. Dieses sichert Vectron heute eine Eigenkapitalquote von mehr als 80%. Davon profitiert das Unternehmen vor allem im Geschäft mit Großkunden. Lieferanten gewähren oftmals lange Zahlungsziele, während Wettbewerber häufig gezwungen sind, Vorkasse zu leisten. Der Ruf als finanzstarker Arbeitgeber nützt schließlich auch beim Gewinnen neuer Mitarbeiter.

Individuell ist besser

Unternehmen können die vertraglichen Rahmenbedingungen relativ frei verhandeln. Die Finanzierungsstruktur lässt sich damit an den finanziellen Bedarf und die finanzielle Leistungsfähigkeit des kapitalsuchenden Unternehmens anpassen. Zudem kann die Aus- oder Rückzahlung in einzelnen Tranchen erfolgen. Auf diese Weise erhält das Unternehmen das Kapital genau in der richtigen Höhe und zum optimalen Zeitpunkt. Auch die Rückführung der Summe am Ende der Laufzeit wird nicht zum Klumpenrisiko für die Firma, sondern kann flexibel in einzelnen Raten erfolgen. Schließlich kann die Geschäftsführung die Frage der Anschlussfinanzierung mit dem Mezzanine-Geber, soweit dieser kein zeitlich begrenzter Fonds ist, sondern eigenes Geld investiert, frühzeitig besprechen. Beim dem vor rund zehn Jahren von vielen Anbietern propagierten Standard-Mezzanine war das anders. Dort handelte es sich meist um kapitalmarktfinanzierte Genussscheinprogramme. Die Finanzierungskonditionen waren im Hinblick auf entscheidende Kriterien wie Volumen. Rückzahlung sowie Laufzeit weitgehend fixiert.

Fazit

Finanzielle Stabilität ist ein wesentlicher langfristiger Erfolgsfaktor gerade für den Mittelstand. Viele Branchen sind naturgemäß konjunkturellen Zyklen ausgesetzt, die sich binnen Kurzem auf Absatz und Gewinn auswirken können. Auch die derzeit sinkenden Prognosen zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zeigen, wie schnell die Geschäftsaussichten umschlagen können. Unternehmen mit einer ausgewogenen Finanzierungsstruktur haben deutlich bessere Chancen, derartige Zyklen gut zu überstehen.

Quelle: Venture Capital Magazin 11-2014

 

 

Factoring und Leasing

Alternative Finanzierungswege für Private Equity

Hier kommt eine Spielart des Asset Based Lending ins Spiel, die vor allem als Finanzierungsmöglichkeit des Mittelstands geschätzt wird, die aber auch Private Equity zu nutzen weiß: das Factoring, der regresslose Verkauf der Forderungen an spezialisierte Factoring-Gesellschaften.

Auf externes Know-how setzen

Zur Einschätzung der Werthaltigkeit der Forderungen wird vermehrt die Fachkenntnis von Factoring-Experten eingesetzt. Deren Einschätzung hinsichtlich des Forderungsbestands eines Zielunternehmens entscheidet nicht selten über den Erfolg des gesamten Deals. Der Investorengesellschaft geht es dabei zunächst allein um die spezifische externe Beratung, wie Forderungen zu bewerten und gegebenenfalls auch zu managen sind. Erst in einem zweiten Schritt folgt die tatsächliche Umsetzung durch den bilanzentlastenden Verkauf der Forderungen (Factoring).

Drei essenzielle Vorteile

Voraussetzung für eine Factoring-Lösung ist, dass die Forderungen frei von Ansprüchen Dritter sind, also an keine Bank abgetreten werden müssen. In diesem Fall müsste mit dem Institut über eine Freigabe oder andere Lösungen verhandelt werden. Zudem muss Faktorabilität der Forderungen gegeben sein, sprich: Die Leistung muss vor der Rechnungsstellung auch tatsächlich erbracht worden sein. Das heißt, dass keine Abschlagszahlungen angefallen sind, wie sie etwa beim Bau oder Maschinenbau üblich sind. Ist jedoch eine Forderungsabtretung möglich, so bietet sie essenzielle Vorteile, die sich mit drei Worten zusammenfassen lassen: Liquidität, Sicherheit und Flexibilität.

Wann Factoring Sinn macht

Factoring ist vor allem dann sinnvoll, wenn eine neue Struktur aufgesetzt werden muss, wenn ganze Unternehmensteile neu geschaffen oder geändert werden müssen. Wenn also Flexibilität unabdingbar ist. Factoring bietet hier einen klaren finanziellen Vorteil: Aus bestehenden Forderungen werden bis zu 90 % Liquidität. Banken setzen die Forderungsquote bei einer Finanzierung hingegen lediglich zwischen 30 % und 50 % an. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt hinsichtlich Factoring ist die Entlastung der Bilanz: Die Forderungsabtretung reduziert die Verbindlichkeiten in den Büchern und erhöht die Eigenkapitalquote. Als probates Mittel, dieses Ziel zu erreichen, gilt auch Leasing - vorausgesetzt, es handelt sich um Neuinvestitionen. Auch dazu bedarf es wieder der ausgewiesenen Expertise, die das Anlagegut realistisch bewertet. Das zeigt insbesondere das beliebte Modell Sale and Lease Back, also der Verkauf von Maschinen oder anderen Investiti­onsgütern, die weiterhin benötigt werden und dazu „zurückgeleast" werden. Die Herausforderung dabei liegt vor allem bei der Bewertung dieser Anlage. Ältere Maschinen sind bilanziell meist abgeschrieben, und durch den Verkauf werden die stillen Reserven gehoben, was negative Auswirkung auf die Steuerlast haben kann.

Absoluter Schutz vor Forderungsausfall

Stichwort Sicherheit; Factoring bietet l00%igen Schutz vor einem Forderungsausfall. Denn dieses Risiko geht an die Finanzierungsgesellschaft über. Die Voraussetzung hierfür ist allerdings ein finanzstarker Factoring-Partner, der in der Rolle des Geldgebers fungiert. Andernfalls kann auch die Forderungsabtretung zur Finanzierungsfalle werden,

Kreditpolitik der Hausbank abhängig ist. Es liegt auf der Hand, dass Gesellschaften, die Teil eines kapitalstarken Finanzdienstleisters sind und so alle Refinanzierungsfragen intern lösen können, hier im Vorteil sind.

Fazit

Stichwort Flexibilität - vielleicht der entscheidende Vorteil, der Factoring für Private Equity attraktiv macht: Bei einer Factoring-Lösung kauft der Finanzierungspartner täglich Forderungen, auf Kundenseite müssen Mittel aber nur dann abgerufen werden, wenn tatsächlich Liquidität benötigt wird. Das reduziert Kosten und spart Zinsen, insbesondere gegenüber einer herkömmlichen Bankenfinanzierung, bei der Kosten oft auch anfallen, wenn Liquidität nur bereitgestellt, aber nicht abgerufen wird. Konkret: Nicht nur für mittelständische Unternehmen, auch für Private Equity Gesellschaften eröffnen Leasing und Factoring attraktive Finanzierungsmöglichkeiten. Sie stellen einen kapitalschonenden, flexiblen und sicheren Weg zu neuen Ufern dar. Und auch einen schnellen: 48 Stunden genügen in aller Regel für eine erste Einschätzung.

Quelle: Venture Capital Magazin 11-2014

 

 

Das Wissen der Nobelpreisträger

Dr. Andreas Unterberger

Edmund Phelps, Wirtschaft-Nobelpreisträger von 2006, weiß es wie viele andere: Die wesentliche Welt verliert zunehmend an Dynamik. Das alljährliche Nobelpreisträger-Treffen in Lindau, wo solche Worte zu hören waren, wird zwar von den meisten österreichischen Medien ignoriert, es versammelt aber weit mehr Gehirnschmalz als in Alpbach, über das die staatsabhängigen Medien riesig berichten.

Unter den vielen Lindauer Vorträgen ragt der von Phelps besonders heraus. Seine zentrale Erkenntnis: Ohne neue Dynamik geraten im Westen Innovationsbemühungen immer mehr ins Stocken. Damit wird künftiger Produktivitätszuwachs reduziert. Als Ergebnis steht unser gesamter Wohlstand auf dem Spiel.

Nur wer diese Erkenntnis, den Zusammenhang der Innovation mit dem von Phelps angesprochenen „Gedeihen der Masse“ begreift, wird um die Wiederherstellung der einstigen Dynamik ringen. Das aber kann, so Phelps, nicht nur durch einzelne Visionäre geschehen. Für die Wiedererringung der Dynamik braucht es in großem Maßstab die Kraft aller. Diese Dynamik gibt es erst dann wieder, wenn es gelingt, dass sich Millionen von befähigten Menschen in Europa neue Produkte und Prozesse ausdenken, entwickeln und vermarkten.

Ein Beispiel aus dem Horizont des Beobachters: Er bekommt fast täglich seriös klingende Angebote aus China. Aus Europa (und Afrika) kommen hingegen fast nur solche mit sofort erkennbaren betrügerischen Absichten, ob sie nun mit Phishing oder mit Millionentransfers oder mit Spams, die eine Scheinware verkaufen wollen, zu tun haben. Bisher ist nur meine Bank, aber noch nie ich selber auf solche Betrugsversuche hereingefallen. Dynamik ist jedenfalls etwas anderes als Betrug, der Polizei und Justiz ob seiner Häufigkeit gar nicht mehr interessiert.

Ähnlich interessant wie Phelps war der Nobelpreisträger von 2004, Edward Prescott. Seine neuen Forschungen zeigen, dass die Zuwächse an Wachstum dreimal größer sind als bisher geglaubt, wenn ein Land ausländische Direktinvestitionen frei zulässt.

Auch da bestätigt die eigene Beobachtung: Erfolgreiche Länder sind offen gegenüber solchen Direktinvestitionen. Diese bringen schon nach wenigen Jahren Erfolg für die offenen Länder und die Investoren. Während jene Länder, die statt auf ein investitionsfreundliches Klima auf Wohlfahrt setzen, immer mehr zurückfallen.

Schade, dass man in Lindau keinen einzigen heimischen Wirtschaftsexperten gesehen hat, während diese sich in Alpbach nur so tummeln. Freilich: Es gibt in Österreich offenbar überhaupt keine Wirtschaftsexperten, die wie die Nobelpreisträger von Aufträgen (staatlicher Organisationen oder Privater) unabhängig wären. Aufträge haben aber natürlich immer eine Schlagseite zugunsten des Auftraggebers.

Und an den österreichischen Universitäten sind so schwache Professoren für Volkswirtschaft zuständig, dass es wohl ohnedies besser ist, dass sie schweigen. Obwohl sie unabhängig sind und sich frei äußern könnten.

Andreas Unterberger war Chefredakteur der „Presse“ und schreibt unter andreas-unterberger.at auch Österreichs meistgelesenen Blog.

BK35 vom 28. August 2014

 

 

Family Offices - die (fast) neue Investorenklasse im Private Equity-Markt

Bisher sind Family Offices im Rahmen ihrer Vermögensdiversifizierung als normale Investoren in Private Equity-Fonds aktiv gewesen. Zunehmend erkennen sie jedoch die Chancen der Direktbeteiligungen und entdecken die Anlageform Private Equity neu. Der Markt ist für die „neuen Investoren sehr offen, man schätzt deren unternehmerische Glaubwürdigkeit und oftmals langfristige Ausrichtung. Zudem scheuen sich die Familieninvestoren auch nicht, Minderheiten einzugehen. Family Offices müssen sich jedoch bewusst sein, dass es beim Deal-Making gewisse Spielregeln einzuhalten gilt, insbesondere in puncto Geschwindigkeit und Entscheidungsfreude. Oftmals bedürfen sie hierzu externer Unterstützung.

Das Klatten Family Office SKion übernimmt Stulz Planaqua", „IK verkauft Minimax an Lego-Eigentümer I Kirkbi", „Mühleck Family Office übernimmt Strauss Innovation" - Schlagzeilen der letzten Monate über Family Offices, die noch vor wenigen Jahren in der Häufigkeit sehr ungewöhnlich waren. Zwar ist die Eigenkapitalfinanzierung von Unternehmen durch erfolgreiche Unternehmer nicht neu. So gründete schon 1882 John D. Rockefeller sein Family Office und begann, seine diversen Privaten Investmentaktivitäten strukturiert zu managen. Viele Marktteilnehmer sind sich jedoch einig; In letzter Zeit mischen die Familieninvestoren vermehrt im mittelständischen privaten Beteiligungsmarkt mit. Waren noch vor kurzem die tradi­tionellen Assetklassen wie Aktien, Anleihen und Immobilien die vorherrschenden Themen, setzen die Family Offices zunehmend auf Direktbeteiligungen. Damit bewegen sich die dahinterstehenden Unternehmer mitten im hart umkämpften Private Equity-Markt.

Attraktivität der Assetklasse ist bekannt

Der Trend zum direkten Beteiligungserwerb hat gute Gründe; Während bei vielen herkömmlichen Anlagen die Chancen auf dauerhafte Wertsteigerungen inzwischen nur noch schwer zu realisieren sind, sind Private Equity-Transaktionen auch für Family Offices vielversprechende Investments. So zählte der Branchenverband BVK alleine für 2013 über 42.000 Anfragen von kapitalsuchenden Unternehmen, und es kam zu knapp 1.300 Investitionen in deutsche Gesellschaften. Familienunternehmer haben aus ihren Investments in Private Equity-Fonds gelernt, dass diese Anlageklasse ein hochattraktives Geschäft ist, und möchten - ohne die mit Fondsanlagen verbundenen fehlenden Einflussmöglichkeiten sowie Kosten für Fondsmanagement und Carry-Zahlungen - direkt von ihren Chancen profitieren. Zudem werden die Reichen immer reicher: Das manager magazin ermittelte für die 500 vermögendsten Deutschen alleine für das laufende Jahr eine Vermögenssteigerung um 16% gegenüber dem Vorjahr. Daraus resultiert das Luxusproblem, dass ihr Anlagedruck zunimmt - ein Problem, das Private Equity-Häuser sehr gut kennen.

Family Offices treten in Konkurrenz zu Fondsgesellschaften

Für die etablierten Beteiligungsgesellschaften ist der neue Wettbewerb durchaus ernst zu nehmen, denn die Familieninvestoren bringen gewichtige Startvorteile mit. Sie agieren aufgrund ihres eigenen unternehmerischen Hintergrunds sehr glaubwürdig. Sie diskutieren mit Firmengründern und -lenkern auf Augenhöhe und kennen Lust und Last, ein Unternehmen zu führen. Dabei wird es von den kapitalsuchenden Unternehmen durchaus geschätzt, wenn ein unternehmerischer Kapitalgeber aus einer völlig anderen Branche kommt. Strukturelle Fragestellungen sind in vielen Industrien oftmals sehr ähnlich, ein Unternehmer aus einer anderen Branche kann vielfach kreative, bisher nicht gesehene Lösungswege einbringen. Während klassische Beteiligungsgesellschaften gerade bei Akquisitionsgesprächen mit den begehrten Familienunternehmen oft Rendite und Finanzkennzahlen stark in den Vordergrund stellen und ihre teilweise angelsächsisch geprägte Unternehmenskultur nicht mit dem „Target" in Einklang bringen, verstehen es die Family Offices naturgemäß besser, die Besonderheiten von Familienunternehmen zu berücksichtigen. Family Offices haben meist auch kein Problem, ihre Investitionen langfristiger als die institutionellen Wettbewerber zu begleiten. Während der BVK in einer Umfrage durchschnittliche Haltedauern der Private Equity-Investitionen von knapp über vier Jahren ermittelt hat, können Familien zumeist ohne Druck bei den Laufzeiten agieren. Der von Unternehmern oft als Unwort angesehene „Exit" ist für sie kein Thema. Sie suchen stattdessen langfristige Beteiligungsmöglichkeiten und haben dabei oftmals ihre eigene unternehmerische Historie vor Augen. Dies ist vielfach gepaart mit dem Wunsch, lediglich Minderheitsbeteiligungen zu tätigen. Hier treffen die Familieninvestoren auf eine immer noch vorhandene Marktlücke und einen echten Bedarf im Mittelstand. Und klassische Beteiligungsfirmen tun sich beim Thema Minderheiten - trotz langsam steigender Offenheit hierfür - immer noch schwer.

Hadern mit den Gepflogenheiten

Aber greifen diese Wettbewerbsvorteile immer? Oftmals agieren Family Offices unkonventionell, wenn sich eine Transaktion in der Anbahnungsphase befindet. Generell stehen sie den typischen Auktionen ablehnend gegenüber. Sie sind nicht gewillt, sich den M&A-Spielregeln mit schneller Abfolge von lnformationsmemorandum - Due Diligence - Vertragsverhandlungen - Signing zu unterwerfen. Und wenn sie dann doch einmal an strukturierten Verkaufsverfahren teilnehmen, sind sie von M&A-Beratern nicht unbedingt gerne gesehen. Zwar sprechen auch viele etablierte Private Equity-Gesellschaften davon, dass sie Auktionen nur in Ausnahmen mitmachen. Am Ende treten sie aber doch (fast) alle bei den Auktionen an, da hier letztlich eine Vielzahl von attraktiven Unternehmenstransaktionen stattfindet. Entscheidungsfreude und -geschwindigkeit sind zudem Faktoren, bei denen es Im Familienlager noch Optimierungspotenzial gibt. So schnell und effizient in der eigenen Firma entschieden wird, so langsam passiert dies überraschenderweise oftmals beim Investieren in fremden Unternehmensgefilden.

Kapitalsuchende Unternehmen fürchten zudem teilweise die Gefahr, dass Familien während einer Kapitalpartnerschaft oft „mit dem Bauch" entscheiden, was nicht unbedingt förderlich für die Entwicklung der Firmen ist. Aufgrund der oftmals noch kurzen Erfahrung beim Investieren in unbekannte Firmen ist eine solide Corporate Governance sehr wichtig. Gerade in Minderheitssituationen kann sich schnell Frustration einstellen, wenn man in einem wachstums- und ausschüttungsschwachen Investment gefangen ist, ohne Chance auf einen Exit - da ist das vermeintliche Unwort dann doch wieder...

Fazit

Stichwort Flexibilität - vielleicht der entscheidende Vorteil, der Factoring für Private Equity attraktiv macht: Bei einer Factoring-Lösung kauft der Finanzierungspartner täglich Forderungen, auf Kundenseite müssen Mittel aber nur dann abgerufen werden, wenn tatsächlich Liquidität benötigt wird. Das reduziert Kosten und spart Zinsen, insbesondere gegenüber einer herkömmlichen Bankenfinanzierung, bei der Kosten oft auch anfallen, wenn Liquidität nur bereitgestellt, aber nicht abgerufen wird. Konkret: Nicht nur für mittelständische Unternehmen, auch für Private Equity Gesellschaften eröffnen Leasing und Factoring attraktive Finanzierungsmöglichkeiten. Sie stellen einen kapitalschonenden, flexiblen und sicheren Weg zu neuen Ufern dar. Und auch einen schnellen: 48 Stunden genügen in aller Regel für eine erste Einschätzung.

Quelle: Venture Capital Magazin 11-2014

 

 

Interview mit Mag. Birgit Schmolmüller, RWB PrivateCapital

„Österreich läuft Gefahr, Teile von Private Equity abzuwürgen"

Bei der Umsetzung der europäischen AIFM-Richtlinie hinkte Österreich lange hinterher. Dass dann, um die vorgegebene Frist einzuhalten, der Gesetzentwurf binnen weniger Wochen beschlossen wurde, erweist sich im Nachhinein als Bärendienst, insbesondere für Publikumsfonds.

VC Magazin: Mit der Umsetzung des AIFM-Gesetzes würden Publikumsfonds im Private Equity-Bereich in Österreich künftig nicht mehr zugelassen sein. Warum sollte der Gesetzgeber noch einmal nachbessern? Welche volkswirtschaftliche Rolle kommt den Publikumsfonds zu?

Schmolmüller Zum einen ist es für die Vermögensanlage notwendig, den Privatkunden ein großes und ausgewogenes Produktspektrum zugänglich zu machen. Bei entsprechender Risikostreuung gehört dazu nach unserer Überzeugung auch die Anlageklasse Private Equity. Unsere Dachfonds wurden unter Zugrundelegung derjenigen Parameter, die Jahre später auch dem deutschen Gesetzgeber bei Publikumsfonds wichtig waren, ja gerade für Privatanleger konzipiert. Zum anderen würde mit dem Verbot auch ein erhebliches Finanzierungspotenzial für die Privatwirtschaft verschlossen, das gleichzeitig die Europäische Kommission mit der ELTIF-Verordnung jetzt europaweit heben will! Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Private Equity steigt derzeit ebenso wie die der Finanzierung von Private Equity durch Privatanleger, nicht zuletzt wegen zunehmender Beschränkungen aufseiten traditioneller Investoren wie Banken und Versicherungen. Österreich läuft Gefahr, diese Quelle von Eigenkapitalfinanzierungen abzuwürgen.

VC Magazin: Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass der Gesetzgeber tatsächlich noch einmal nachbessert? Schmolmüller ich denke, das steht so gut wie fest. Gesetzgebungen sind oft wachsende, dynamische Prozesse. Man hat jetzt im Parlament sicher mehr Zeit als in der Vorwahlphase, sich mit unseren in der Begutachtung vorgebrachten Argumenten in der Tiefe auseinanderzusetzen. In Deutschland hat die Willensbildung, wenn auch weit vor der Umsetzungsfrist, zwei Jahre gedauert. Und die lange Diskussion dort hat zu einem ausgewogenen Gesetz geführt.

VC Magazin: Welche Bedeutung hat das Österreich-Geschäft für RWB?

Schmolmüller Wir sind in Österreich gerne und erfolgreich tätig. Deshalb setzen wir alles daran, auch weiterhin hier auf dem Markt präsent zu sein.

VC Magazin: Denken Sie bereits über alternative Geschäftsmodelle für den österreichischen Markt nach? Über welche?

Mag. Birgit Schmolmüller ist Vertriebsdirektorin Österreich bei RWB PrivateCapital. Seit der Gründung 1999 haben mehr als 71.000 Anleger ein Gesamtvolumen von rund 1.8 Mrd. EUR gezeichnet.

Schmolmüller Wir arbeiten schon länger an komplementären Angeboten. Diese Modelle werden in Österreich neben den klassischen RWB-Dachfonds angeboten werden. Zusammen mit den bewährten Produkten haben wir dann ein noch breiteres Angebot für die österreichischen Anlegerinnen und Anleger. Private Equity-Dachfonds aus dem Hause RWB werden aber auf jeden Fall der Kern unseres Publikumsvertriebes bleiben. Der österreichische Gesetzgeber wird sich diese Chance für Wirtschaft und Anleger genauso wenig durch eine fehlgeleitete Umsetzung einer EU-Richtlinie zerstören lassen, wie der deutsche Gesetzgeber das getan hat.

VC Magazin: Welche Investments haben RWB-Fonds oder Zielfonds zuletzt in Österreich getätigt?

Schmolmüller Erst neulich hat sich ein Zielfonds an einem jungen österreichischen Unternehmen beteiligt, uns aber um Zurückhaltung bei der Namensnennung gebeten. Unser Zielfonds Target Partners ist seit 2009 an einem Entwickler für Spezialsoftware in Salzburg beteiligt. Hinzu kommen noch zwei Beteiligungen von Zielfonds, die im Wesentlichen außerhalb des deutschen Sprachraums investieren und eben punktuell auch einmal in Österreich gelandet sind. Insgesamt gilt auch hier, dass Private Equity bei Österreichs Unternehmern noch nicht wie selbstverständlich akzeptiert ist. Das könnte sich wandeln und die österreichische Wirtschaft beleben - wenn die Politik mitzieht!

VC Magazin: Vielen Dank für das Interview.

susanne.glaeser@vc-magazin.de

Quelle: Venture Capital Magazin 11-2014

 

 

Das Gründen von Unternehmen muss sehr viel leichter werden

Interview mit Dr. Gregor Gysi, Die Linke

Die Auswirkungen der digitalen Revolutionen reichen in alle Bereiche des täglichen Lebens: Wo früher ein Autoradio war, findet sich in modernen Fahrzeugen heute eine Multimediakonsole. Das Internet of Things verbindet zunehmend Elektrogeräte miteinander und macht sie zu Sensoren. Und auch die Politik sieht sich mit neuen Wegen der Kommunikation konfrontiert.

VC Magazin: Das Thema des Unternehmertages in diesem Jahr war digitale Revolution. Welche Auswirkungen hat diese Revolution auf die deutsche Politik?

Gysi: Sie hat die gesamte Kommunikation unglaublich beschleunigt und verändert. Die neue Generation weiß gar nicht mehr, was ein Telegramm ist. Handgeschriebene Briefe werden zu einer absoluten Rarität. Es gibt viele positive Veränderungen: Herrschaftswissen wird zunehmend beseitigt, dadurch wird das Regieren transparenter. Die Folge ist, dass Nebenabsprachen für Politiker gefährlich werden, da diese damit rechnen müssen, dass sie herauskommen. Außerdem entstehen neue Formen der Demokratie, da das Internet neue Mitsprachemöglichkelten schafft. Die Piraten haben versucht, demokratische Prozesse in einer Partei mithilfe des Internets zu gestalten - allerdings muss nicht jeder Versuch klappen, trotzdem kommt auch etwas Neues. Selbstverständlich hat die digitale Revolution auch Kehrseiten: Ich dachte beispielsweise, neue Medien seien ein Mittel, um Geheimdienste einzuschränken - nun zeigt sich, es ist umgekehrt! Die Geheimdienste können auf fast alle Daten zugreifen.

VC Magazin: Wird die Politik via Twitter und Facebook auch ein Stück volksnäher und tritt mit dem Bürger in direkte Kommunikation? Gysi: Natürlich! Die Kommunikation via Brief ist auch sehr viel komplizierter und langwieriger. Ich selbst gehe regelmäßig in Chats und beantworte die Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Das macht mir auch Spaß. Man ist näher dran. Aber es ist kein persönliches Gespräch! Darauf müssen wir unter psychologischen Gesichtspunkten achten. Sonst erschaffen wir eine Generation von Kindern und Jugendlichen, die zwar twittern und chatten, aber nicht mehr miteinander sprechen können. Mich macht es ganz nervös, wenn ich sehe, wie die Jugendlichen nur an Smartphones und Laptops sitzen. Aber es ist eine Revolution und sie verändert vieles. Dr. Gregor Gysi ist Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion im Bundestag und seit Dezember 2013 auch Oppositionsführer im Deutschen Bundestag. 2002 war Gysi, der außerdem Rechtsanwalt ist. Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen des Landes Berlin.

VC Magazin: Die Digitalbranche ist in Berlin mit der stärkste Wirtschaftszweig. Welche politischen Maßnahmen braucht es, damit das eine nachhaltige Entwicklung wird und sich vom Epizentrum Berlin auf den Rest des Landes ausdehnt? Gysi: Berlin war einmal eine Industriestadt, davon kann heute keine Rede mehr sein. Keiner der großen Konzerne ist in Berlin geblieben, sondern nach München, Hamburg oder Köln umgesiedelt. Insofern ist es toll, dass hier ein attraktiver Standort für neue Medien entstanden ist. Ich war Bürgermeister und Senator für Wirtschaft. Arbeit und Frauen, daher weiß ich, dass wir in Berlin viel zu viele freie Industrieflächen haben. Der Schwermaschinenbau kommt nicht mehr zurück und wir müssen die Flächen anders nutzen. Ich möchte darüber hinaus, dass alle Menschen Zugang zum Internet haben - auch eine Hartz 4-Empfängerin muss es sich leisten können. Außerdem gilt es zu klären. Nachteil meiner Versicherten - dann würde ich die Frage welche Regeln es für die Digitalbranche braucht. Kann man beispielsweise geltende Bestimmungen aus dem Print-Bereich auf das Internet ganz oder teilweise übertragen oder müssen komplett neue geschaffen werden? Dazu gibt es nun auch einen Bundestagsausschuss, der sich verstärkt damit beschäftigten wird. Die Politik hat also verstanden, dass Handlungsbedarf besteht.

VC Magazin: Im März dieses Jahres hat die Bundesregierung die sogenannte „digital Agenda“ zur Stärkung der digitalen Wirtschaft beschlossen. Die Linke stimmte dagegen. Was waren Ihre Kritikpunkte? Gysi: Das war ein Schaufensterbeschluss und kein inhaltlicher. Man braucht zum Beispiel Investitionen in die gesamte Breitbandtechnologie, und dafür ist kein einziger Euro vorgesehen. Außerdem kritisieren wir, dass die Bundesregierung die Sicherheitstechnologie fördert, um die Illusion zu wecken, man könne sich gegen die NSA schützen. Das ist auf diesem Weg nicht möglich, dazu bräuchte man zunächst auch Verträge mit den USA.

VC Magazin: Es gibt - auch im Zuge einer möglichen Einführung des Markt 2.0 - wiederholt die Forderung, Versicherungen vorzuschreiben, einen höheren Anteil ihres Vermögens in Aktien zu investieren, um eine funktionierende Aktienkultur in Deutschland zu schaffen. Wie bewerten Sie solche Forderungen? Gysi: Wenn der Staat anfängt, Unternehmen und Versicherungen zu zwingen, Aktien zu kaufen, ist die Frage, ob er dann nicht auch für Verluste haftet. Im Recht gibt es immer auch eine Gegenseite. Wäre ich Chef einer Versicherung und der Gesetzgeber zwänge mich, Aktien zu kaufen, was ich gar nicht wollte, und ich mache Verluste - auch zum Nachteil meiner Versicherten – dann würde ich die Frage nach der Haftung beim Bundesverfassungsgericht stellen. Dann hat der Staat einen riesigen Schaden. Das Argument, dass das Niedrigzinsumfeld einen solchen Schritt rechtfertige, überzeugt mich nicht. Es gilt, beim Thema Zinsen die Macht der Realwirtschaft wieder herzustellen. Früher waren die Banken, Dienstleister der Realwirtschaft, heute entscheiden die Banken was die Realwirtschaft und die Politik zu tun haben. Sie sind zu mächtig. Deshalb müssen wir als Politiker die großen Banken verkleinern. Dann gibt es auch wieder Zinsen, bei denen es sich lohnt, ein Sparbuch anzulegen.

VC Magazin: Mitte Mai gibt es den Investitionszuschuss Wagniskapital seit einem Jahr. Ist er aus Ihrer Sicht ein geeignetes Instrument zur Förderung einer aktiven Gründerkultur in Deutschland? Gysi: Ich denke, es wäre sinnvoller gewesen, eine steuerliche Abschreibungsmöglichkeit für solche Beteiligungen zu schaffen. Wenn der Staat im Prinzip direkt mit investiert, muss er ziemlich in der Bredouille stecken. So etwas kann nur eine vorübergehende Lösung sein. Langfristig gilt es, Bürokratie abzubauen. Das Gründen eines Unternehmen', muss sehr viel leichter werden - dabei muss sich auch der Sozialstaat auf die Selbstständigen zubewegen. Die Herausforderung ist, nicht wieder eine neoliberale Welle loszutreten. Wie wir sie zu Zeiten des Neuen Marktes gesehen haben. Damals gab es überall neue Unternehmen, Börsengänge und reiche junge Leute, die zwei Jahre später entweder pleite waren oder im Gefängnis saßen - häufig beides.

VC Magazin: Vielen Dank für das Interview, Herr Gysi.

Quelle: VC Magazin 2014


Die GmbH-Groteske

Solche Sachen würde nicht einmal ein heimischer Kabaret­t erfinden: Schon wieder soll das gesetzliche Mindestkapital für die Gründung einer GmbH geändert werden. Jetzt soll eine solche Gründung gar mit nur einem Euro möglich werden.

 Man erinnert sich: Bis Juli 2013 waren 35.000 Euro als Mindestkapital vorgeschrie­ben, dann plötzlich nur noch 10.000. Seit März 2014 sind es wieder 35.000.

 Die Heruntersetzung galt als Wirtschaftsförderung: Mehr Menschen sollten sich die Gründung eines Unterneh­mens leisten können. Die Hin­aufsetzung geschah hingegen aus fiskalischen Motiven: Die „GmbH light" hatte die Einnah­men aus der Mindestkörper­schaftssteuer zu stark sinken lassen. Sekundiert wurde dabei von Juristen, die einen höhe­ren Gläubigerschutz sehen, wenn es 35.000 Euro Eigenka­pital gibt. Außerdem meinten manche flapsig, wer sich das höhere Kapital nicht leisten könnte, sollte eh nicht eine Kapitalgesellschaft gründen können.

 Schon dieses von der Regie­rung angerichtete Hin und Her ist so arg, dass jetzt Höchst­gerichte die Verfassungsmä­ßigkeit prüfen wollen. Jetzt aber wird die ganze Groteske noch ins Extreme po­tenziert: Denn in den (nicht öf­fentlichen) Arbeitsgruppen der EU-Kommission wird neuerdings beabsichtigt, die Gründung einer Kapitalgesell­schaft ohne jedes Eigenkapital zu ermöglichen. Damit soll Europas Wirtschaft wiederbe­lebt werden. Damit wird aber für Österreich das unzumutba­re Hin und Her noch einmal es­kaliert.

 Gewiss: Osterreich kann Be­schlüsse der EU nur marginal beeinflussen. Es leistet aber auch keinen besonderen Wi­derstand: Denn jetzt ist ja der Wirtschaftsminister der starke Mann in der ÖVP. Und der hat halt andere Interessen als sein Vorgänger, der Finanzminister. Der eine will Unternehmer för­dern, der andere wollte das Budget retten.

Es geht gar nicht darum, ob 35.000, 10.000 oder 1 Euro das „richtige" Mindestkapital sind. Für die Wirtschaft ist etwas ganz anderes viel wichtiger: klar voraussehbare Rechtssi­cherheit. Und genau die wird dadurch zerstört. Die früher in Osterreich so hohe Rechtssicherheit ist auch schon durch andere Maßnah­men eingeschränkt worden: Beim Mietrecht legt man rück­wirkend den Vermietern die Pflicht zur Erneuerung von Thermen auf (egal wer sie an­geschafft hat). Beim Stif­tungsrecht bestraft man die Stiftungen, die man seit den 90er Jahren ins Land gelockt hat, durch nachträglich einge­führte Steuerlasten. Bei den Gehältern hat man plötzlich höhere Bezüge (die viele Vor­stände erhalten) de facto ver­boten. Noch viel schlimmer hat die EU Rechtssicherheit und Verlässlichkeit zertrüm­mert: Die tausende Male be­schworenen Maastricht-Kri­terien (maximal 60 Prozent Staatsschulden) sind nur noch reine Makulatur. Ebenso das primärrechtliche No-Bailout-­Prinzip.

 Wer das Vertrauen zerstört, zerstört die wichtigste Basis eines Gesellschafts- und Wirtschaftssystem.

 

Quelle: BK49 vom 4. Dezember 2014, Dr. Andreas Unterberger

 

 

 

Internationalisierung als Wachstumssprung

Eine durchdachte Auslandsexpansion kann den Unternehmenswert nachhaltig steigern. Das ist die Kernkompetenz von Finanzinvestoren. Sie helfen Mittelständlern bei diesem Wachstumsschritt mit Eigenkapital und Know-how. 

Müssen wir unseren Kunden ins Ausland folgen? Welche Chancen haben wir, wenn wir große Märkte wie China und Indien vor Ort bedienen? Werden uns ausländische Wettbewerber irgendwann hierzulande Konkurrenz ma­chen? Viele mittelständische Unterneh­men internationalisieren ihr Geschäft, um bei Absatz, Beschaffung und Produk­tion konkurrenzfähig zu bleiben. Das ist eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen - sie stellt bisher gewohnte Struk­turen in Frage und das Management vor neue Herausforderungen.

 Beweglich bleiben

Etwa bei der Finanzierung. Mittelständ­ler sind bis dahin mit ihrer regionalen Hausbank gewachsen. Ihr Fremdkapi­taleinsatz ist auf die Sicherheiten und den Cashflow des Stammhauses aus­gelegt. Mit der Internationalisierung wird nun eine neue Betriebseinheit aufgebaut - viele tausend Kilometer ent­fernt, in einem unbekannten Umfeld, schwierig vom Stammsitz aus zu kon­trollieren und mit ungewissem Erfolg. Ist dieses Vorhaben als Erweiterung des Stammhauses zu betrachten oder als völlig neues Engagement, das eine eigene Finanzierung verdient? Berater empfehlen oft, gezielt nach zusätzli­chen Finanzierungspartnern für solche Auslandsaktivitäten zu suchen, um das Stammhaus nicht durch einen zu ho­hen Verschuldungsgrad zu gefährden. Ihre Argumente sind berechtigt: Eine Internationalisierung kostet in al­ler Regel viel Geld. Der im Ausland aus ersten Umsatzerlösen generierte Cash­flow reicht bei weitem nicht aus, um die laufenden Kosten zu tragen. Es ist daher entscheidend, dass das Stamm­haus finanziell beweglich bleibt, um bei unvorhergesehenen Belastungen stets über gesicherte Liquidität zu verfügen.

 Neuer Blickwinkel

Lohnend ist aber auch eine andere Per­spektive: Gerade wenn die Internationa­lisierung mittelfristig über den Aufbau einer reinen Vertriebsgesellschaft hinausgehen soll, lässt sich das Vor­haben auch als Wachstumssprung des Stammhauses betrachten. Die Interna­tionalisierung ist dann mehr als eine Erweiterung der bisherigen Strukturen und auch mehr als der Aufbau einer neuen Einheit neben dem bestehenden Unternehmen. Das Unternehmen rich­tet sich insgesamt neu aus, erschließt Zukunftspotenzial und gewinnt in Summe an Wert.

Die Begleitung einer Internationali­sierung als Wachstumssprung gehört zu den klassischen Kompetenzen eines guten Finanzinvestors. Mit der Zufüh­rung von Eigenkapital mindert er die Risikoanfälligkeit des Unternehmens. Der Unternehmer kann seinen Spiel­raum für kurzfristige Finanzierungen nicht nur erhalten und wie gewohnt seine Hausbank oder einen anderen Darlehensgeber in Anspruch nehmen. Dank der höheren Eigenkapitalausstat­tung kann er ihn meist sogar noch aus­bauen. Hinzu kommt: An Kreditinstitu­te, Kunden und Lieferanten sendet die Tatsache, dass sich ein Finanzinvestor im Unternehmen engagiert, ein Ver­trauenssignal. Das Risiko einer zu ho­hen Verschuldung wird reduziert, die Liquidität bleibt auch in schwierigen Situationen gesichert.

 Kapital und Know-how

Der Investor stellt Eigenkapital bereit, indem er eine Minderheitsbeteiligung erwirbt. Alternativ ist auch eine an den individuellen Bedarf des Unterneh­mers angepasste Mezzanine-Finanzie­rung möglich, die ohne Sicherheiten, ohne Veränderung der Gesellschafter­struktur und mit begrenzten Zustim­mungsrechten des Investors gewährt wird. Ihre Rückzahlung kann flexibel in einzelnen Tranchen erfolgen. Bei­de Formen lassen sich gezielt an den Bedarf und die Leistungsfähigkeit des wachstumsinteressierten Un­ternehmens anpassen. Ob eine Minderheitsbeteiligung oder Mezzanine zum Einsatz kommen, richtet sich nach der finanziellen Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Mezzanine muss aus dem laufenden Cashflow bedient werden. Da die Erlöse aus dem Auslandsgeschäft in aller Regel erst mit Verzögerung fließen, kann eine Direktbeteiligung die geeignetere Alternative sein.

Der Know-how-Transfer vom Inves­tor zum Unternehmer ist nicht weni­ger wertvoll. Finanzinvestoren haben den Schritt auf internationale Märkte meist schon mehrfach begleitet und umfassende Erfahrung gesammelt. Sie kennen Branchenexperten und Unter­nehmer für die jeweiligen Zielmärkte, die bereits praktische Erfahrungen vor Ort gemacht haben und bereit sind, dieses Wissen weiterzugeben. Das er­leichtert die konkrete Umsetzung der Internationalisierung, die ja nicht nur eine intensive Marktkenntnis, sondern auch viel Vertrauen in die Personen vor Ort erfordert. Mittelständler, die gute Erfahrungen mit der Beteiligung eines Investors gemacht haben, schät­zen darüber hinaus die Professionali­sierung der Entscheidungsstrukturen und die oft deutlich verbesserte Über­sicht über die aktuellen Entwicklungen im Unternehmen.

 Fazit

Unternehmer, die eine Internationa­lisierung planen und das als Wachs­tumschance begreifen, sollten einen kompetenten, im Mittelstand erfahre­nen Finanzinvestor als Partner in Be­tracht ziehen. Das zusätzliche Kapital verbessert die Eigenkapitalquote und schafft damit neuen Finanzierungs­spielraum. Zudem unterstützt der neue Partner mit eigener Expertise sowie mit dem Wissen namhafter Industrie­experten. Investor und Unternehmer haben das gleiche Ziel: Die Wertent­wicklung des Unternehmens erfolg­reich voranzutreiben, von einem gu­ten Ergebnis zu profitieren und nach einigen Jahren der Zusammenarbeit

wieder eigene Wege zu gehen. Eine Expansion ins Ausland ist bei dieser Ent­wicklung oftmals ein wichtiger Meilen­stein. Unternehmer und Investor gehen diesen Schritt gemeinsam und tragen auch beide entsprechende Risiken. Am Ende der Partnerschaft sollte das Unternehmen über ein funktionierendes Auslandsgeschäft verfügen und in sei­ner Gesamtheit an Zukunftssicherheit und Wert gewonnen haben.

 Quelle: Unternehmer Edition 6/2014 vom Dezember 2014

 

 

 

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